Mittwoch, 5. Dezember 2018

Long time no see


Da simme wieder! Ich weiß, ich habe mich lange nicht mehr gemeldet. Die letzten Monate waren nicht einfach. So eine Auswanderung hat es in sich. Möchte gar nicht wissen, wie es erst Leuten geht, die ab sind nach Burundi, oder abenteuerlicher: Düsseldorf.

Ich musste die letzten Monate Gas geben. Von einem Leben aus dem Koffer in einer fragwürdigen WG mit vielen offenen Fragen habe ich es immerhin schonmal geschafft, meinen Hausstand auf 2 Koffer zu erweitern und in eine weniger fragwürdige WG zu ziehen. Zudem habe ich einen befristeten Vertrag in eine unbefristete Vollzeitstelle wandeln können. Es gibt da einen ganz einfachen Trick: Man schläft einfach nicht mehr und gibt sich und seine Interessen völlig auf ... Aber mal im Ernst: Ich mag meinen Job und bin froh, dass ich jetzt erst mal untergebracht bin. Aber das wäre auch schon der Hauptgrund für meine Wortkargheit der letzten Monate: Ich hab einfach nicht mehr so viel Zeit. Schreibprojekte liegen alle auf einem Stapel in den muffigen Hinterkammern meines Hirns. Und ab März kommt noch das Bewerbungsverfahren dazu, das der Brexit uns Immigranten hier abverlangt ...

Trotzdem möchte ich nicht ganz mit dem Bloggen aufhören und werde mich dann und wann noch melden. Vor allem, weil ich auch hier weiterhin Erfahrungen als Endopatientin sammle. Und man kann es sich denken, die sind oftmals ähnlich katastrophaler Natur, wie man es schon seit jeher gewohnt war.

Ich muss mal schauen, ob ich es schaffe, auch von dem Leben in Schottland an sich zu berichten. Habe meine Social Media Plattformen auf jeden Fall schonmal was schlanker aufgesetzt, damit es alles noch machbar bleibt:

Man findet mich auf Facebook hier

Auf Twitter hier

Auf Instagram hier

Und seid mir nicht böse, wenn ich nicht wirklich auf lange Zuschriften ebenso lang zurückschreiben kann. Durch einen langen Anfahrtsweg zur Arbeit habe ich teilweise wirklich nur noch ein Stündchen am Tag, in dem ich es gerade noch schaffe, nicht mit der Zahnbürste im Mund auf dem Klo einzuschlafen. 

Ich kann immer nur die Endometriose-Vereinigung Deutschland empfehlen. Dort gibt es eine kostenlose Beratung. Ich bin auch Mitglied in der Vereinigung, da ich genau diese Hilfe für Betroffene unterstützen möchte, kann aber selbst nicht beraten. Meine Meinungen und Ausführungen hier sind allerdings ganz unabhängig von der Endometriose-Vereinigung. 

So, und jetzt wünsche ich Euch erst mal eine schöne und hoffentlich schmerzfreie Weihnachtszeit! Passt auf Euch auf und bis bald!

Eure Martina

Sonntag, 8. Juli 2018

Endometriose-Vortrag in Edinburgh



„Wenn ich überlege, wie wir damals begannen, an GnRH-Analoga zu arbeiten, und betrachtet man sich die letzten 30 Jahre der Endometrioseforschung, muss man feststellen: Es hat sich bis heute nicht viel verändert.“

Ich sitze im Marriott Hotel in Edinburgh. Ein bisschen ärgere ich mich noch, hatte ich mir gerade einen überteuerten Cappuccino an der Hotelbar gegönnt um festzustellen, dass es in der oberen Etage vor dem Präsentationsraum den Cappucino kostenlos gibt ... Ich betrete als erste den Präsentationsraum. Der Projektor wirft schon den Namen der Veranstaltung auf die Leinwand:

Chronic Pelvic Pain and Endometriosis


Ein älterer Herr mit Aktentasche betritt den Raum. Er ist mir sofort sympathisch. Ein bisschen hat er die Ausstrahlung von Hape Kerkeling. Und wie so üblich in Schottland plaudern wir sofort über das Wetter. Die Schotten scheinen ein wenig überfordert mit den warmen Temperaturen, die hier derzeit herrschen. Nach und nach kommen die Besucherinnen des Vortrages herein. Erst vereinzelt, dann ein paar Mitglieder einer Selbsthilfegruppe, eine Frau kommt mit ihrem Partner.

Hape Kerkeling, der eigentlich Dr P J Dewart heißt, eröffnet seinen Vortrag mit den oben genannten Worten. Seit 30 Jahren nimmt er sich des Themas Endometriose an und er ist Experte, wenn es um minimalinvasive Operationsmethoden geht. Das beruhigt mich ungemein. Meine bisherigen Erfahrungen mit dem schottischen Gesundheitssystem hatten mich schon glauben lassen, ich werde hier elendiglich auf der Straße eingehen, sie würden mich in einer Schubkarre abtransportieren und Haggis aus mir machen ...

Dr Dewart zählt die Fakten auf: In UK seien es 2 Millionen Frauen, die an Endometriose litten. Die Krakheit sei hier genauso häufig wie Asthma. 50 Prozent der Frauen, die in UK den Gynäkologen wegen Schmerzen konsultierten, hätten Endo. Bei 30 Prozent der Frauen kämen die Schmerzen ein Jahr nach der OP wieder, bei 50 Prozent der Frauen nach fünf Jahren. Man hätte herausgefunden, dass diejenigen Frauen die größten Schmerzen hätten, deren Körper mehr gegen die Endo ankämpfe.

Dr Dewart hätte beobachtet, dass es heutzutage mehr schwere Fälle von Endometriose gäbe als noch vor 30 Jahren. Seiner Ansicht nach läge es vielleicht daran, dass die Krankheit mit den Umweltveränderungen immer unabhängiger vom körpereigenen Östrogen auftrete.

Er erwähnt die Nähe zu Autoimmunerkrankungen, die immer häufiger würden, je näher man der Menopause käme. Man gehe davon aus, dass auch der Schutz, den die Gebärmutter der Gebärmutterschleimhaut verleihe, mit dem Alter verloren gehe. Daher käme es im fortgeschrittenen Alter oftmals zu heftigeren Blutungen. Den Schutz durch die Gebärmutter und wie das alles funktioniere, hätte man aber noch nicht ganz ergründet. Sicher sei, dass die Menschen früher ja nicht so lange gelebt hätten wie heutzutage, da wäre der Schutz ja auch nicht so lange nötig gewesen. Es gäbe Theorien, die besagten, dass dieser Schutz am Endometriosegewebe grundsätzlich nicht vorhanden sei. Das Gewebe entarte, sobald die Gebärmutterschleimhaut mit der retrograden Menstruation die Gebärmutterhöhle verlasse.

So, und an der Stelle hat er mich dann in seinem Vortrag verloren:

Da ist sie wieder, die retrograde Menstruation. Doch wie wir wissen, kommt Endometriose auch bei Frauen vor, die keine Gebärmutter haben, sei es, weil diese herausoperiert wurde, oder auch bei Frauen, die von Geburt an keine Gebärmutter haben und nie menstruierten. 

Und dann sagt Dr Dewart etwas für mich sehr Verwirrendes. Dazu muss ich vorwegschicken, dass ich folgende Information gelesen und von Endometrioseexperten in Deutschland so bestätigt bekommen habe: Unter dem Mikroskop unterschieden sich Endometriosezellen von Gebärmutterschleimhautzellen.

Nun sagt Dr Dewart: “Legt man Endometriosezellen unter ein Miksoskop, sind sie von Gebärmutterschleimhautzellen nicht zu unterscheiden.“

Ich als Nicht-Naturwissenschaftlerin frage mich da: Wie kann es zu so unterschiedlichen Aussagen kommen? Da wundert es einen plötzlich nicht, dass man mit der Forschung nicht weiterkommt, wenn so etwas Grundsätzliches noch nicht geklärt ist. Ich meine, baut man den einen Pfeiler einer Theorie in Sydney und den anderen in Brunsbüttel, bleibt dazwischen nunmal eine Menge Platzt für Mutmaßungen und Gutdünken.Wie kommt es, dass man so Gegensätzliches annimmt? Lesen die Experten nicht dieselben Abhandlungen? Hat hier einer den Anschluss verpasst? Gibt es keinen Austausch? Sind die Aussagen abhängig von Interessenlagen? Hat hier ein Wissenschaftler am Morgen nach einer Junggesellenabschiedsfeier präpariert? Hat einer beim Mikroskopieren geschielt? Ja was denn nun, Leute - wie Gebärmutterschleimhaut oder doch anders?

Ich bin nun vollends verwirrt. Und da sitze ich, und es gehen mir tausend Gedanken durch den Kopf: Wenn ich das jetzt anspreche, ist das ja schon ein bisschen wie „Bloßstellen“. Ich will jetzt hier nicht die Klugscheißerin rauskehren, sagt man es uns Deutschen im Ausland auch noch nach. Und wer bin ich schon? Ich meine, der Mann forscht seit 30 Jahren. Gleichzeitig denke ich, wir sind hier, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen, und die Wissenschaftler, die das Gegenteil behaupten, forschen ebenso lange. Im Sinne der Wissenschaft würde ich damit das Richtige tun. Ich möchte aber nicht provokativ wirken. Letztendlich ist er der einzige Endometrioseexperte, den ich hier kenne. Wenn ich irgendwann bei ihm auf den OP Tisch liege, möchte ich nicht, dass er mit dem Hintergedanken an mir herumoperiert, dass ich diejenige bin, die ihn vorgeführt hat. Also beiße ich mir auf die Lippen. Ich habe es mir hier schon mit meinem Hausarzt verscherzt, indem ich diesem Diskriminierung vorgeworfen habe, nachdem er mich nach einem halben Jahr trotz meiner Indikation (riesiges Endometriom, Briden am Darm, Verengung an der Niere) immer noch nicht zum Ultraschall überwiesen hatte, meinen Bekannten, der männlich und Brite ist, jedoch sofort einen Röntgentermin für dessen blödes Knie gegeben hat ...

Alles in Allem gehe ich mal wieder mit mehr Fragezeichen aus der Veranstaltung als ich in die Präsentation mitgenommen hatte. Trotzdem hoffe ich, dass ich bald zu Dr Dewart überwiesen werde. Das entscheidet in Schottland leider der Hausarzt ...

Dieser Artikel ersetzt nicht den Rat durch einen Arzt oder eine Ärztin.

Dienstag, 19. Juni 2018

Wenn Männer Endometriose hätten ...


"Özil und Götze sitzen auf der Tribüne, müssen ihrer Mannschaft heute von hier oben aus zuschauen. Der Ärztestab kümmert sich rührend um sie. Die ausgebremsten Spieler sind bestens für den Tag ausgerüstet. Da sehen wir auch schon Götze, wie er die Wärmflasche mit den drei Streifen hoch hält, danke nochmal an den Sponsor. Die „Heat 2000“ ist mit einem integrierten Flachenöffner im Verschluss und einem thermal betriebenen Akku-Ladegerät für Smartphones ausgestattet."

"Herr Dr. Müller, ich hatte die letzten drei Monate wieder extreme Menstruationsschmerzen. Oh, es tut mir leid, Herr Dr. Müller, ich wollte sie wirklich nicht zum Weinen bringen. Ich weiß ja, wie Sie selbst Monat für Monat da hängen. Ja, das glaube ich Ihnen, dass es hart ist, unter diesen Umständen den Praxisbetrieb am Laufen zu halten. Das machen Sie auch wirklich ganz toll. Das muss man an dieser Stelle ja auch mal sagen. Nein, das ist vollkommen in Ordnung. Ich kann Sie gerne mal in den Arm nehmen, wenn Ihre Frau da so wenig ... Ach, Ihre Mutter hatte auch schon kein ... Ja, wenn diese auch nur mit normalen Menstruationsschmerzen.... Nein, nein, der weiße Kittel lässt Sie ganz und gar nicht nicht fett aussehen ..."

"Der 10fache Frauenmörder „Klappmesser-Klaus“ wurde zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Nach Aussagen seines Anwalts wurden alle Taten verübt, während sich der Angeklagte mitten im PMS befand. Von daher sei sein Mandanten als nur begrenzt schuldfähig einzustufen."

"Die Premierminister von Isreal und dem Iran können an den Abrüstungsverhandlungen diese Woche nicht teilnehmen. Nach Aussagen ihrer Ärzt liegen sie mit ernstzunehmenden Menstruationsschmerzen im Bett. Trotz allen Verständnisses bedauern Experten das Fernbleiben der beiden Politiker. Sie erinnern an die sogenannte „Rote Krise“ von 1989, nachdem sich die Zyklen der Mitglieder des russischen Parlaments synchronisiert hatten, war es zu emotionalen Telefongesprächen gekommen. Diese Gespräche im Geiste der Blutsbrüderschaft gipfelten schließlich in der Wiedervereinigung Deutschlands. Der amerikanische Präsident hat dem jordanischen und dem israelischen Staatsoberhaupt sein Mitgefühl ausgedrückt. Erst im letzten Jahr hat seine Gattin die Charity-Organisation „Stand By My Down Man“ gegründet und schon Milliarden für den guten Zweck, die Forschung nach einem Heilmittel für Endometriose, einsammeln können. Ganz Hollywood steht hinter diesem Projekt. Wir haben noch den bewegenden Auftritt von Amal Clooney vor der UN als Repräsentantin von Manasty International in Erinnerung. Mit Tränen in den Augen erzählte sie die Beweggründe ihres Mannes, damals bei Emercency Room einzusteigen, kenne er doch die katasptrophale Situation in den Notaufnahmen seines Landes, nachdem er selbst mehrfach wegen heftiger Endometriose-Attacken eingeliefert worden war. Das engagierte Ehepaar hat mit prominenter Unterstützung das internationale Verbot erwirkt, Hormontherapien an Männern durchzuführen. Die Nebenwirkungen mit erhöhtem Thrombose- und Krebsrisiko einschließlich Depressionen bis hin zur Suizidalität sprächen gegen das Menschenrecht nach körperlicher Unversehrtheit. Das Verbot erhöhte daraufhin den Druck auf die Forschung. Dank Spendengeldern und staatlicher Förderung gab es schon erste Erfolge auf der Suche nach einem Heilmittel für diese verheerende Erkrankung, die mindestens 10 Prozent aller Männer weltweit lahmlegt. Jedem zehnten Mann drohe durch die Erkrankung der Verlust oder Zumindest die Einschränkung der Erwerbsfähigkeit, so ein Sprecher des Vatikans. Es seien Männer, die ihre Familien nicht ernähren könnten, wenn sie überhaupt eine Familie gründen könnten. Die Unfähigkeit, Nachwuchs zu zeugen, hätte einer Umfrage zufolge mindestens 50 Prozent der Betroffenen auf der ganzen Welt in die Alkoholsucht oder ins kriminelle Milieu getrieben. Der Papst sehe Endometriose als globale Katastrophe und betrachte die Entwicklungen mit Besorgnis. Er bitte die Weltgemeinschaft um mehr Engagement und Mitgefühl für die Betroffenen."

"Der große Pavel Rotti betritt die Bühne. Es herrscht Stille im Opernsaal. Das Publikum wurde darüber unterrichtet, dass das Genie gerade menstruiert. In dieser sensiblen Phase möchte man den großen Meister nicht durch Nebengeräusche aus dem Takt bringen. Die Zuschauer wissen, dass sie in wenigen Minuten einer künstlerischen Höchstleistung zuteil werden. In diesem Zustand ins heiße Scheinwerferlicht zu treten, und wir müssen an dieser Stelle betonen, dass Rotti unter diesen Schmerzen nicht nur angereist ist, sondern auch stundenlang aufrecht sitzend in der Maske zugebracht hat. Ein wahrer Profi. Meine Damen und Herren, er wird sich während der Vorstelleung, und dies ist eine ganze Stunde, trotze der Menstruationskrämpfe nicht ein einziges Mal hinsetzen. Eine Sensation. Dieser Mensch lebt und leidet wahrhaftig für seine Kunst. Und da ist er auch schon, meine Damen und Herren. Mal wieder stellt er seine Professionalität unter Beweis, man sieht ihm das Martyrium nicht an. Das verdient unseren vollsten Respekt. Und nun bitte absolute Stille, der blutende Barde hebt zum Gesang an."

Aus der Forschung: Die NASA hat keine Kosten und Mühen gescheut. Über Jahrzehnte hat man Astronauten während ihrer Periode zur Weltraumstation OBeon 2 geschickt, um herauszufinden, wie sich die Schwerelosigkeit auf Menstruationsschmerzen auswirkt. Eindeutig konnte man eine Abmilderung der Schmerzen feststellen. Der Weltraum-Gesundheitstourismus wird mittlerweile von den Krankenkassen mitgetragen. Mit der Eröffnung der Weltraumstationen "Tampollon 1" und der "Always Voyager" wurden nun weitere Meilensteine in der Endometriose-Forschung erreicht.

Inspiriert von den neuesten Entwicklungen hat George Lucas seine Krieg der Hormone-Reihe abgedreht:
  • Die dunkelrote Bedrohung
  • Angriff der Klokrieger
  • Das Klimakterium schlägt zurück
Der Hype um die neue Filmreihe geht so weit, dass Augenzeugen in den USA und Mexiko von ersten Sichtungen fliegender Menstruationstassen berichten.

Das härteste Metall-Festival der Welt – Featuring:

THE CRAMPS – BLEEDING WITHOUT DYING– MIGRAINE MASSACRE – PAD SHOP BOYS – Special Guest:  IRON DEFICIENCY MAIDEN!!!

Sonntag, 3. Juni 2018

7 Jahre Endo Bay – eine Zwischenbilanz


7 Jahre sind es schon hier auf Endo Bay. Ich hätte niemals gedacht, dass es so lange andauern würde, als ich damals im Schlafanzug zaghaft die ersten Wörter in die Tastatur tippelte. Es ist einiges passiert in den 7 Jahren. Die mediale Aufmerksamkeit für Endometriose ist merklich angestiegen, nicht zuletzt, weil sich noch eine Handvoll Promis mit Endo “geoutet” haben. Vor allem bloggen, posten, sharen immer mehr Betroffene ihre Stories, was einfach nur großartig ist!

Hier ein paar Beispiele in der Reihenfolge, wie sie bei mir in Instagram aufgeführt sind (Entschuldigung für jeden, den ich übersehen haben sollte):

@aniybond
@findloveyourbody
@susiwurmi
@annas_spoonielife
@susanneborchers
@endo.kat
@shayen01xen
@endohilfe
@jennifer_kutzner
@fraunoelle
@endolife_
@motte1985
@saenchaoslair
@aleshalowe.endofoodie
@jmariia97
@pinkyandthebeer
@fraumalbuch
@qbine
@echtjetzt_fragezeichen_
@little_yvy
@susanna_dominique
@allaboutchrissi
@kleinistmeinname
@endosaskia

Bei mir persönlich hat sich in 7 Jahren natürlich auch einiges verändert. Vor allem die Sicht auf meine eigene Endometriose. Wie ich schon in “Nicht ohne meine Wärmflasche” geschrieben habe:

Für mich ist meine eigene Endometriose eine Mischung aus einer Mastzellaktivierungsstörung, Hormonchaos und tiefen emotionalen Konflikten. Ich habe seit 5 Jahren keine heftigen Endometrioseschmerzen mehr (toi, toi, toi). Ich erkläre es mir so, dass sich nach und nach das Chaos lichtet: mit den Wechseljahren pendeln sich die Hormone langsam ein (nicht jede Betroffene hat eine hormonabhängige Endo, bei anderen hilft das vielleicht weniger), ich bin jetzt an meinen “eigentlichen” Themen und Emotionen dran (emotionaler Stress kann Mastzellen triggern und so Entzündungen und Schmerzen begünstigen) - was bleibt, ist die Mastzellaktivierungsstörung - die Grunderkrankung, die hinter der Endometriose liegt (?) mit all den seltsamen Erscheinungen vor allem in Zusammenhang mit Histamin - wie Migräne, Herzstolpern, Kurzatmigkeit, Schwindel, Erschöpfung, ausschlagartige Phänomene gepaart mit Übelkeit etwa bei körperlicher Anstrengung, Kälte, Hunger, nach einer heißen Dusche, Erdbeeren und Alkohol geht gar nicht … - (Achtung, das ist meine eigene Theorie - s. auch https://www.mastzellaktivierung.info/de/mastzellerkrankungen_begleiterkrankungen.html#endometriose - wissenschaftlich belegt ist nichts davon). Man spricht mittlerweile wohl auch von einem Sammelbegriff "Endometriose", der eventuell mehrere Erkrankungen mit ähnlichen Phänomenen zusammenfasst. Auch das ist alles noch gar nicht belegt.

Ich finde es nun schwierig, ohne die Schmerzen weitere Experimente bezüglich der Endo zu unternehmen - da möchte ich mich natürlich nicht beschweren! Mir fehlt sozusagen nun der “Indikator”. Alle anderen Symptome sind zu diffus und unregelmäßig. Wenn ich jetzt z.B. von einer Firma gefragt werde, ob ich ihr neues “Wundermittel” gegen Endo testen möchte, lehne ich alleine schon aus dem Grund ab. Wahrscheinlich würde ich überhaupt keine Wirkung spüren, außer dass ich morgens noch einen Handgriff mehr tun müsste. Ich achte auch nicht mehr streng auf meine Ernährung. Weizen z.B. löst keine Schmerzen mehr aus wie vor einigen Jahren noch.

Vor den Verwachsungen, die mir wahrscheinlich wieder einen Darmverschluss einhandeln werden, schützt mich sowieso nichts. Und die Mastzellen kann ich bei Ärzten ansprechen, so oft ich will. In dem Moment scheinen sie alle einen Sekunden-Hörsturz zu erleiden … Ich könnte jetzt eine strenge Histamin-Eliminierungs-Diät ausprobieren. Da will ich ehrlich sein: Bei meiner derzeitigen Situation im Privatleben ist es schon schwierig genug. Ich lasse weg, worauf ich bisher eindeutig reagiert habe, das war es aber auch schon. Für etwaige Tipps dahingehend bin ich derzeit leider die falsche Ansprechpartnerin.



Meine Bemühungen bezüglich des Themas Endometriose werde ich daher nun mehr dahingehend ausrichten, Nichtbetroffene zu erreichen, um mehr Verständnis für uns zu erwirken, damit es einfacher wird, mit der Endometriose in dieser Gesellschaft zu leben. Ein großes Ziel, ich weiß. Ich töne jetzt hier rum ... Es wird ein Versuch sein, muss man sagen. Am Ende ist es eh immer ein kleiner Tropfen, aber ich denke, viele Tropfen machen einen Ozean :-) Bei meinem derzeitigen Arbeitspensum + 3 Stunden tägliches Pendeln zwischen Arbeit und fragwürdiger WG bleibt nicht viel Zeit. Aber ich habe es mir so eingerichtet, dass ich zumindest eine Stunde am Tag im Zug, und wenn ich nicht zu müde bin nach der Arbeit im Café, an meinem neuen Endo-Schreibprojekt sitzen kann.

Ich versuche, Euch auf dem Laufenden zu halten, vornehmlich auf Instagram: @endobay_blog

Also, passt in der Zwischenzeit auf Euch auf, meine Lieben, und bis bald!
Eure Martina

Dieser Artikel ersetzt nicht den Rat durch einen Arzt oder eine Ärztin.

Sonntag, 15. April 2018

Endometriose, oder: Wenn man das Leben rückwärts lebt


Kennt Ihr den Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button?“ Die biologische Uhr der Hauptfigur, gespielt vom vielfach angeschmachteten Brad Pitt, tickt rückwärts. Bei seiner Geburt weist Benjamin somit Alterserscheinungen auf und sieht aus wie ein Greis, und im Laufe seines Lebens wird er immer jünger. Seltsame Geschichte, seltsamer Film. Ich mochte ihn nicht. Aber in letzter Zeit muss ich immer öfters an ihn denken.

Donnerstag, 1. März 2018

Schrödingers Endometriose: gynäkologisch und doch überall?



Mit Endometriose braucht frau starke Nerven. Zum einen muss man aushalten, was der eigene Körper veranstaltet. Zum anderen muss man ertragen können, womit sich einem andere Betroffene anvertrauen. So saß ich letzte Woche mit einer schottischen Endo-Schwester beim Frühstück, und während ich mir eine Gabel Käsekuchen in den Mund schob, präsentierte sie mir Fotos von ihrem Auswurf.

Sonntag, 4. Februar 2018

Die Endometriosepatientin als Kundin – Von Wundermitteln und Mitteln, über die man sich wundert

Vor kurzem wurde ich von einer Firma angeschrieben, ob ich als endometriosegeplagte Buchautorin nicht ein Produkt, das extra für Endometriosepatientinnen entwickelt wurde, testen und auf meinem Blog vorstellen wolle. Grundsätzlich habe ich nichts dagegen einzuwenden. Ich hatte auch nichts gegen das Präparat als solches, waren es im Grunde genommen nur ein paar Nährstoffe und Vitamine, die zumindest mal nicht schaden können. Nein, es waren die Marketingmethoden, die mir ordentlich auf die Eierstöcke schlugen.