Yoga mit Endometriose – Nur nicht den Bogen überspannen

 

Ich mache jetzt Yoga. In der Pfalz hatte ich es zuvor mal mit Rückenyoga versucht. Danach machte ich eine Weile einen Bogen um die Matte, war mir die Lehrerin doch zu brachial gewesen. Als ich wie ein Käfer auf dem Rücken lag, die Beine nur so weit anzog, wie es eben ging mit all den Verwachsungen, hatte sie mir mit Nachdruck die Knie gegen den Bauch gedrückt. Eine fragwürdige Methode. Da half es auch nicht, dass sie ihren bürgerlichen Namen abgelegt hatte und sich nur noch Ntscho-tschi oder Anchovi - ich kann mich nicht mehr genau an ihren Yoganamen erinnern - nannte.

Den zweiten Anlauf machte ich bei einem Typen mit Zehring. Das ist objektiv gesehen nichts Verwerfliches. In der Kultur, aus der ich komme, ist es eine Art soziales „Todesurteil“. Bei den Jungs in unserem Eifeldorf hätte er keine Chance gehabt. Und da mein Background mir noch öfters in den Zwischenräumen der Großhirnrinde hängt, hatte auch ich gewisse Vorbehalte und schmunzelte leise in mich hinein. Doch diese Vorurteile lösten sich schnell auf. Was da in meinem Inneren passierte, ja, ich kann es nicht wirklich erklären. Es pochte jedenfalls während der Übungen ordentlich im Sonnengeflecht. Und als ich am nächsten Tag nichtsahnend mein Frühstück zubereitete, ging genau von diesem Punkt aus auf einmal eine Welle los. Für einen kurzen Moment dachte ich, Mist, ich muss mich übergeben. Aber es kam etwas anderes hoch: ein alter Schmerz, der endlich gefühlt werden wollte. Anders kann ich es nicht beschreiben. Und als die Welle vom Punkt unter meinem Herzen hochstieg, habe ich geheult wie seit Jahren nicht mehr und mich danach befreit gefühlt.

Probieren, was geht

Das war meine erste gute Begegnung mit Yoga. Es scheint auf irgendeine Weise Blockaden zu lösen. Also entschloss ich mich, hier in Edinburgh weiterzumachen, mit Hatha Yoga. Vor der ersten Stunde musste ich dafür einen medizinischen Fragebogen ausfüllen. Ich will jetzt nicht sagen, dass es direkt Panik war, die ich in den Augen der Lehrerin gesehen habe, aber ich glaube ganz geheuer war es ihr nicht.

Am nächsten Tag hatte ich eine sehr lange, sehr besorgte Email in meinem Postfach, was mein Arzt mir denn empfohlen hätte. Und ich dachte mir, ja, was haben die Ärzte mir eigentlich empfohlen? Außer Hormone zu nehmen kam da eigentlich nicht viel. Fragen zu Ernährung und Bewegung wurden immer beantwortet mit: „Sie müssen ausprobieren, was geht“. Und so ist es eben auch.

Die Frage „Kann ich mit meiner Endometriose Yoga machen?“ werde ich mir selbst beantworten müssen. Indem ich es mache. Bis jetzt muss ich zugeben, gibt es da schon mehrere Dinge, die unangenehm sind. Nach vorne beugen fühlt sich an, als wäre mein Innneres aus Alufolie, die man zusammenknüllt und dann nicht mehr auseinanderfriemeln kann. Auf dem Rücken liegen und sich strecken fühlt sich an, als würde man Gitarrensaiten überspannen. Jetzt hatte ich aber auch drei Bauchschnitte. Das wird sich für eine Betroffene, die andere Eingriffe hatten, vielleicht wieder anders anfühlen.


Sei Dein eigener Maßstab

Richtige Schmerzen hatte ich allerdings beim oder nach dem Yoga noch nicht. Ich denke, es liegt daran, dass ich die Positionen nur so weit ausführe, wie es eben geht. Da sollte man keinen falschen Ehrgeiz an den Tag legen. Ich habe für mich festgestellt, dass Yoga trotzdem eine Wirkung hat, auch wenn ich den hustenden Hund oder den laufenden Hasen nicht hundertprozentig ausführe. Damit fängt Selbstfürsorge an, finde ich. Nicht damit, dass man Yoga macht, sondern dass man dabei jeden Moment auf seinen Körper hört und nur mitmacht, was er mitmachen will. Genauso hält es übrigens auch meine neue Yogalehrerin. Egal, was die anderen machen. Gruppenzwang ist nun mal nichts mit Endometriose.

Es gibt keine repräsentativen Studien zum Thema Endometriose und Yoga. Bisher gibt es nur kleinere Abhandlungen. Diese besagen unterm Strich, dass Yoga förderlich sei, helfen könne, die Schmerzen etwas abzumildern, Ängste zu löse und das allgemeine Wohlbefinden zu steigere. Wer möchte das nicht. Und so habe ich der Yogalehrerin zurückgeschrieben, sie solle sich keine Sorgen machen. Ich und meine Endo wüssten schon, wie weit wir gehen könnten. Das ist nicht weit. Aber auch kleine Schritte führen zum Ziel. Und das Ziel ist im Yoga ja praktischer Weise immer genau HIER 😊




Fotos:

unsplash-logoCaster Cheung unsplash-logoAvrielle Suleiman

0 Kommentare