Endometriose – die unpopuläre Erkrankung



Ich habe nun schon einige Zeit in der „Endometriose-Branche“ zugebracht. Ich habe gedacht, ich hätte bereits alles erlebt, gehört und gesehen, was man als Endometriose-Patientin so erleben, höre und sehen kann. Und dann wurde noch einer draufgesetzt …

Ich werde einfach erzählen, wie es sich zugetragen hat. Die Geschichte spricht für sich – da muss man nix mehr kommentieren.

Das einzige, das ich im Voraus dazu sagen möchte: Ich weiß, dass manche den Einwand machen würden, es sei eine "Ausnahme". Ich frage mich immer, was man mir mit dieser Aussage eigentlich sagen möchte. Soll man es daher ignorieren? Ist es daher weniger schlimm? Soll man sich daher nicht darüber aufregen? Dann dürften wir uns auch nicht mehr über Verbrechen, Terroranschläge oder Glassplitter im Beutel Tiefkühlpommes aufregen. Nicht dass ich diese Dinge mit einem Arztbesuch gleichsetzen würde (zumindest nicht mit den meisten) oder für miteinander vergleichbar hielte. Es geht da jetzt eher um das Konzept der "Ausnahme", über die man sich ja dann nicht aufregen solle, wenn jemand denkt, es sei ein Argument zu sagen: „Ja, aber das ist doch eine AUSNAHME“. Das ist kein Argument. Das will ich damit sagen. Bevor ich mich hier vergaloppiere:

Auf meiner neuen Arbeit hier in Edinburgh habe ich die Bekanntschaft mit einer weiteren Betroffenen gemacht. Es hat sich eher zufällig ergeben. Sie ließ das Wort „Endometriose“ in einem völlig anderen Zusammenhang fallen. Und wenn man dann schon mal beim Thema ist - man kennt das ja. So wusste ich, dass sie in der darauffolgenden Woche zu einer Untersuchung musste. Denn es wird aufgrund ihrer heftigen Schmerzen und Symptome überlegt, ob sie operiert werden muss. Zudem steht Kinderwunsch im Raum.

An dem Tag der Untersuchung kam sie erst mittags zur Arbeit. Das Gesicht völlig verweint. Bis zum Feierabend sprach sie kaum ein Wort. Ich ließ sie erst mal in Ruhe.

 Ein paar Tage später erzählte sie mir dann, was geschehen war:

Sie hatte ein halbes Jahr auf die Untersuchung, eine Darmspiegelung, warten müssen. Als dann endlich der Termin gekommen war, sagte der Arzt ihr:

„Oh, ich bin gar nicht auf sie vorbereitet.“
Darauf meinte sie, da hätte man sie ja informieren können. Schließlich hätte sie ein halbes Jahr gewartet, und dann das Abführen am Tag vorher …

Da brach es aus dem Arzt raus: Ob sie wisse, womit er sich sonst beschäftige. Er würde sich um Krebspatientinnen kümmern. Sie hätte ja schließlich „nur“ Endometriose. Darum würde er sich nicht scheren.

Dann zeigte er zur Tür und verwies sie hinaus.
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