Jetzt bin ich ein bisschen verstimmt



Ich stecke mitten im PMS - und es ist nichts Süßes im Haus! Ja, da kommt schnell miese Laune auf. Meine - sagen wir mal – „depressive Verstimmung“ spiegelt sich auch an der Auswahl der Filme wider, die ich heute in einem Charity Shop günstig erstanden habe. Mit schlechter Laune und schlechter Haut schluffte ich hinein, mit einem Rucksack voller Selbstmitleid auf DVD gepresst ging ich wieder hinaus. Die Situation ist auszuhalten. Ich weiß ja, dass es mir in einer Woche wieder bessergehen wird. Man kennt das ja.

 

Neuer Artikel zur Endometriose

Der Tag schleppt sich dahin und immer noch summe ich „Moonriver“, da bleiben meine müden Augen im Internet an einem kürzlich erschienenen Übersichtsartikel über die Endometriose hängen: „Endometriose – ein Chamäleon unter den gynäkologischen Erkrankungen“, von Dr. Sara Imboden und Prof. Dr. Michael Müller vom Endometriosezentrum Bern. Ein guter Artikel, der alles mal anreißt, was man zur Einleitung wissen sollte. Interessant finde ich, dass hier mal eine differenzierte Sichtweise auf die verschiedenen Entstehungstheorien der Endometriose gegeben wird und die Theorien verschiedenen Formen zugeteilt werden.

 

So viel Zeit muss sein

Eine differenzierte Sicht fände ich auch gut an folgender Textstelle: 

„Der Vorteil der Progestagene, allen voran das Dienogest, ist die stark atrophisierende Wirkung auf das Endometrium und daher auf die Endometrioseherde.“ 

Die „atrophisierende Wirkung“ bedeutet in etwa, dass die Gebärmutterschleimhaut „auszehrt“ oder „austrocknet“ und sich nicht mehr aufbaut. So wie das hier formuliert ist, könnte man meinen, dass dies dann automatisch auch bei Endometrioseherden funktioniere. Es sind keine Ausnahmen formuliert. Dass es diese Ausnahmen gibt, ich glaube, dazu muss ich nichts mehr sagen. Da verweise ich jetzt frecher Weise auf mein Buch „Nicht ohne meine Wärmflasche“ (Ich kann übrigens immer noch nicht ganz glauben, dass ich ein Buch geschrieben habe und muss mich ab und zu noch zwicken, wenn das die Endo nicht schon tut …), auf das Buch von Prof. Dr. Keckstein: „Endometriose, die verkannte Frauenkrankheit“, oder auf die Betroffenen, die die Gestagene wie Smarties essen und die Endometriose trotzdem weiter wuchert.

Ja, solche Aussagen stören mich. Sie geben immer nur einen Ausschnitt der Wahrheit. Das ist so ein bisschen wie in der Politik. Aber dieses Fass will ich jetzt echt nicht öffnen.

 

So ein bisschen schlechte Laune haben wir alle mal …

Worüber ich viel mehr stolpere, und da können die Autoren nichts für, das ist eine Formulierung, die man ganz oft zu den möglichen Nebenwirkungen von Hormonpräparaten liest: depressive Verstimmungen

Sofort denke ich an meine eigene Geschichte, wie ich unter den Hormonen meinen Kopf nicht mehr auf meinen Schultern tragen konnte. Wie ich aufhörte, Musik zu hören, Bücher zu lesen und überhaupt das Haus zu verlassen. Und wie ich mit dem Absetzen wieder am Leben teilnahm. Ich denke an Gespräche mit anderen Betroffenen, die mir sowas sagten wie: „Martina, unter der Minipille hatte ich Selbstmordgedanken“.

 

Einmal Lebenskrise und zurück

Ich denke an meine ehemalige Mitbewohnerin, die unter den Hormonen zum Nachtschattengewächs mutierte. Eine lebenslustige, sportliche Frau. Aufgewachsen in Rom, den italienischen Lifestyle und nicht selten das ein oder andere Kölsch im Blut. Unter den Hormonen saß sie nur noch grübelnd in der Ecke und fragte sich, welchen Sinn das Leben hat. Ich weiß noch, wie wir zusammen „Moulin Rouge“ schauten und sie mir dann mit dem Taschentuch im Anschlag erzählte, dass sie es nicht mehr aushalte. Kurze Zeit darauf setzte sie die Pille wieder ab - und da war sie wieder, die Partymaus!

Depressive Verstimmungen hat jeder Mal. Da muss man nur in letzter Zeit HSV-Fan gewesen sein: Alles blöd und nah am Wasser gebaut. Depressive Verstimmungen sind ein Symptom einer Depression. Die anderen beiden Hauptsymptome sind Antriebslosigkeit und Interessenverlust. Dass Hormonpräparate handfeste Depressionen auslösen können, belegen aktuelle Studien. Und genau so sollte man es dann auch formulieren. 

Wieso nicht Tacheles reden?

Depressionen sind ernst zu nehmen. Da sollte man sich nicht abwimmeln lassen. Ich habe es ja selbst erlebt, dass manche Ärzte davon nichts hören wollten. Doch ob ein Präparat zur Behandlung der Endometriose für einen geeignet ist oder nicht, hängt nicht nur von irgendwelchen Studienergebnissen ab, sondern vor allem vom Nebenwirkungsprofil bei einem selbst! 

Ich finde es gut, dass z.B. im Beipackzettel der Visanne unter den Nebenwirkungen „Depressionen“ aufgeführt sind. Das ist nicht bei allen Präparaten so. In vielen Beipackzetteln steht noch oder besser gesagt nur „depressive Verstimmung“. Also Mädels, passt gut auf Euch auf!
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Titelbild unbearbeitet: http://gratisography.com/ CC0 1.0


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