Das war knapp!




Ich und meine Endometriose sitzen gerade hier so in einem leerstehenden Haus im schottischen Dörfchen Cupar rum. Wie kam es dazu?


Eine kleine Zusammenfassung meiner bisherigen Situation: Nachdem ich für mich herausgefunden hatte, dass es in meiner Geschichte einen nicht zu übersehenden Zusammenhang zwischen Psyche, Trauma und Endometriose gibt (wie ich es auch im Buch geschrieben habe) und ich bisher nur in meinem Auslandsjahr in Schottland vor 17 Jahren schmerzfrei war, habe ich mich dazu entschlossen, nach Schottland auszuwandern – eine Art Selbstversuch, wenn man es so will.

Zum Zusammenhang zwischen Trauma und Endometriose hatte ich ja ganz unterschiedliche Aussagen zusammen recherchiert. Interessant finde ich, dass es dieses Jahr auf dem Endometriose-Kongress thematisiert wurde. Es wurde eine Veranstaltung angeboten: Traumatische Kindheitserlebnisse – Risikofaktoren für die Entwicklung einer Endometriose? Ich war leider nicht da, aber lasst es mich so sagen: Würde man keine Zusammenhänge sehen, hätte man diesen Vortrag wohl kaum angeboten. So nach dem Motto: Nö, gibt eigentlich keine Zusammenhänge – danke für die Aufmerksamkeit. Mein Selbstversuch hat also damit zu tun, mich selbst zu „befreien“ und zu schauen, was das mit meiner Krankheit macht.


Durch Beziehungen war ich erst in einer kleinen WG in Inverness gelandet. Man sagte mir, es sei momentan die am schnellsten wachsende Stadt in Europa, die Zeichen stünden auf: Wandere hier hin aus, ist gerade günstig! Ich musste allerdings feststellen, dass der Lockruf vor allem Bauarbeitern und Elektrikern galt. Andere Berufssparten haben es eher schwer.


So entschied ich dann, mich nach Edinburgh aufzumachen, da dort der Arbeitsmarkt ein bisschen flexibler ist. Zudem habe ich da schon Kontakt zu anderen Deutschen und komme mir da mit meinem Verlangen nach Currywurst nicht ganz so einsam vor.


Ein schottischer Freund aus St Andrews hat mir gesagt, ich könnte eine Weile im Wohnwagen seiner Schwiegereltern wohnen. Als ich mich auf dem Weg Richtung Süden befand, kam dann die Hiobs-Botschaft: Der Wohnwagen ist leider doch schon vergeben. Sorry, ´tschuldigung, tut mir leid …


Ich hatte mich dann erst mal für drei Tage in einem Hotel in der Mitte von Nirgendwo in der Nähe von Edinburgh eingebucht und dachte schon: Das war`s! Versunken in die Hotelbett-Matratze auf pieksenden Sandwich- und Kekskrümeln wollte ich nie wieder ans Tageslicht treten. Interessante Beobachtung in der Zeit: Meine Endometrioseherde meldeten sich wieder. Nicht so arg schlimm wie früher, aber die Angst und Anspannung kam ganz klar wieder als Endo-Schmerz raus.


Ich sammelte meine Energie und telefonierte, smste und facebookte, was das free WiFi hergab. Am letzten Tag im Hotel dann zwei gute Nachrichten: Ich wurde eingeladen, mir ein WG-Zimmer in Edinburgh anzugucken, und eine Freundin eines Freundes bot mir an, in ihrem leerstehenden Haus, das zum Verkauf steht, für einen Monat den Housesitter zu geben.


So sitze ich also hier, und die Endometriose hat sich auch wieder beruhigt ...
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Titelbild unbearbeitet: pixabay.com/CC0 1.0


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