Im Interview: Anna Wilken


Auf die Frage, ob die Endometriose einem auch etwas Positives gebracht hat, hört man oft die Antwort: „Ja, meine Endo-Schwestern!“ Das kann ich nur bestätigen!!! Ich durfte über die Endo schon viele, tolle Frauen kennenlernen, und von jeder habe ich etwas für meinen Selbstheilungsweg gelernt. So auch von dieser tollen, jungen Frau – ein absoluter Herzmensch: Anna Wilken.

Manche kennen Anna vielleicht noch aus der 9. Staffel Germany`s Next Topmodel, die 2014 lief. Mittlerweile arbeitet sie erfolgreich als Model, vor allem in der Modemetropole Paris. Ich persönlich halte mich – sagen wir mal – eher selten in Paris auf. Und wenn, würde man mich wahrscheinlich mit vollen Backen in den Auslagen der Patisserien finden. Wie kam da unser Kontakt zustande? Eigentlich ganz unglamourös, zumindest von meiner Seite. Ich stand nämlich gerade in Schlunzklamotten vor der Autowaschanlage und wartete. Also auf mein Auto. (Nicht dass jetzt der Eindruck entsteht, ich lungere öfters an Waschstraßen herum – so weit ist es mit mir dann doch noch nicht.) Da bekam ich von Anna eine Nachricht auf meinem Endo Bay Instagram Account. Seitdem tauschen wir uns aus.

Erst vor kurzem hat Anna auf ihrer Instagram-Seite öffentlich mitgeteilt, dass sie Endometriose hat. Ein Schritt, für den sie meinen vollen Respekt hat! Ich glaube, sie kann ganz vielen jungen Mädchen und Frauen damit Mut machen, sich ebenfalls zu öffnen und zu ihrer Erkrankung zu stehen.


„Liebe Anna, du arbeitest in einer Branche, in der es um Schönheit und Glamour geht. So wie ich Dich bis jetzt kennen und schätzen gelernt habe, liegt es Dir aber am Herzen zu vermitteln, dass man die „unschönen“ Seiten des Lebens nicht ausklammern sollte bzw. auch gar nicht kann. Du engagierst Dich aus persönlichen Gründen beispielsweise für die Demenz-Selbsthilfe und machst in dem Bereich auch Öffentlichkeitsarbeit. Daher weiß ich, dass für Dich nicht viel Zeit und Energie bleibt, zusätzlich im gleichen Maße mit Öffentlichkeitsarbeit auf die Endometriose einzugehen. Aber es ist Dir wichtig, ein Zeichen zu setzen und dazu ermutigen, das Tabu um die Endometriose zu durchbrechen. Daher habe ich bezüglich der Endo hier ein paar Fragen an Dich:

Wann traten die ersten Symptome bei Dir auf?“

Anna: „Die ersten Symptome traten bei mir mit ca. 12 Jahren zu Beginn meiner Periode auf.“

„Wann und wie wurde die Endometriose bei Dir diagnostiziert?“

Anna: „Im Alter von 13 Jahren wurde mir das erste Mal von Endometriose erzählt ... danach wurde eine Weile spekuliert. Mit gerade 19 Jahren hatte ich dann die Bauchspiegelung mit einer 4 Stündigen Sanierung,  in deren Rahmen Endometriose diagnostiziert wurde.“

„Wie sah die bisherige Therapie bei Dir aus?“

Anna: „Bisher nehme ich die Maxim durch. Für einen Monat habe ich die Visanne getestet. Dies war so ein schlimmer Monat und hat leider gar nicht gewirkt. Zugegebener Maßen nehme ich viel Schmerzmittel. Ab sofort werde ich in einem Schmerzzentrum, behandelt, wo mir hoffentlich geholfen wird.“

„Was machst Du zusätzlich (gesunder Lebensstil, Ernährung ...)?“

Anna: „Ich trinke sehr viel Tee, ernähre mich sehr gesund, mache Yin Yoga, Entspannungsübungen, gehe zu Thai Massagen. Was mir sehr hilft, sind lange Spaziergänge, aber auch nur dann wenn ich keine Kreislaufprobleme habe, so wie mein ständiger Begleiter - die Wärmflasche.“

„Wie gehst Du mit den Schmerzen in einer Akutphase um (besonders unterwegs)?“

Anna: „In Akutphasen greife ich zu Schmerzmittel, vor allem unterwegs. Zu Hause versuche ich dann zu schlafen und mache Atemübungen.“

„Gibt es bei Dir noch andere Symptome außer der Schmerzen, Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten?“

Anna: „Ich vertrage keine Kuhmilch-Produkte. Habe sehr oft und viel Rückenschmerzen so wie Nackenprobleme.“

„Waren OP-Narben schon einmal ein Problem bei einem Job?“

Anna. „Bisher hatte ich noch nie Probleme, denn die Narben sind so minimal in klein. Ganz abgesehen davon gibt es in meinem Beruf Schminke und Photoshop :)“



„Endo und Beruf sind manchmal schwierig zu vereinbaren. Auf der einen Seite soll man Stress vermeiden, auf der anderen Seite gibt es durchaus positiven Stress. Es kann auch förderlich sein, wenn Dir eine Arbeit Spaß macht und Du darin aufgehst. In welchen Situationen merkst Du ist es für Dich eher schwierig, und wann eher förderlich?“

Anna: „Dem stimme ich total zu, man weiß manchmal nicht wie man sich gerecht werden soll. In stressigen Situationen ist es natürlich sehr schwierig. Dies sind Momente, wenn ich alleine im Ausland bin, viel laufe, viel Stress habe, da ich etliche Castings habe. Dann rennt man von A nach B, muss sich jedes Mal neu beweisen. Das mit Schmerzen ist nicht unbedingt der Hit. Andererseits gibt es auch Momente wo alles so Spaß macht, so dass man nicht an die Schmerzen denkt.“

„Nicht-Betroffene verstehen häufig nicht die Natur der Erkrankung, dass es also durchaus Tage geben kann, an denen man sich gut fühlt, an denen man auch feiern kann. Das führt zu einer ambivalenten Wahrnehmung und die Leute glauben einem dadurch manchmal nicht, dass man wirklich eine Krankheit hat. Bist Du persönlich auch schon auf solche Vorurteile gestoßen?“

Anna: „Sehr häufig bin ich schon auf solche Vorurteile gestoßen, nicht nur privat bei meiner Familie und bei Freunden, sondern auch beruflich. Wenige haben davon eine Vorstellung. Ich sage dann immer ' Wie fühlst du dich bei deiner Periode?' und versuche der Person einen kleinen Vergleich zu geben.“

„Was sollte man Deiner Meinung nach über Endometriose

a) als Betroffene, die gerade frisch diagnostiziert wurde,
b) als Nicht-Betroffene

wissen?“

Anna: „Als Betroffene sollte man einfach genauestens über die Krankheit allgemein Bescheid wissen. Wissen, dass es Hilfe gibt, dass es viele Möglichkeiten gibt, nach einer Hilfe zu suchen. Man muss es nur öfter probieren.
Nicht-Betroffene sollten wissen, welches Ausmaß die Krankheit hat, dass sie zwar nicht unbedingt tödlich ist, aber sehr beeinflussend. Sie ist immer da, ändert sich ständig – sie ist eben wie ein Chamäleon.“

„Was möchtest Du den Endo Sisters da draußen noch mit auf den Weg geben?“

Anna: „Endo Sisters möchte ich auf den Weg geben, dass sie nicht alleine sind! Wir sind alle da! Sie sollen immer stark bleiben und weiterhin das Positive sehen, alles probieren, auch Dinge, bei denen sie vielleicht anfangs skeptisch sind. Und das Wichtigste: darüber reden!“

„Liebe Anna, vielen Dank für Deine Offenheit! Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute auf Deinem Selbstheilungsweg und viel Erfolg für Deine Projekte!“

Ihr findet Anna auf Instagram und Snapchat unter: aniybond

P.S.: Weil ich so oft gefragt wurde: Den Endo Survivor Pulli gibt es bei cafepress.com.




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Fotos: © Anna Wilken
Bild "Interview": pixabay.com/CC0 1.0

2 Kommentare

  1. gutes interview.ich schätze ihre arbeit.ich habe eine menge gelernt.vielen dank.

    Missy Gowns

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