Wieso ein Endometriose-Buch?


Als letztes Jahr der Komplett Media Verlag auf mich zukam mit der Idee, ein Endometriosebuch veröffentlichen zu wollen, und mich fragte, ob ich mir vorstellen könne, es zu schreiben, konnte ich mein Glück gar nicht fassen. Was für eine Chance!

Ich setzte mich also hin und überlegte, was mir besonders wichtig ist zu erzählen.

Wir brauchen kein Mitleid – wir brauchen Lösungen!


Ich erzähle über die Dinge, die mir durch die Endo und um die Endo herum zugestoßen sind. Recht unverblümt glaube ich. So ist das Leben nun mal. Ich will weder Panik machen, noch will ich Mitleid erregen. Ich will schlicht und einfach Verständnis. Dieses beginnt zunächst damit zu wissen, womit man es mit Endometriose überhaupt zu tun hat. Lasst es mich so formulieren: Jedes Mal wenn ich lese, Endometriose sei Gebärmutterschleimhaut, die nur woanders wuchere, muss ich in eine Tüte atmen, so wütend macht mich das mittlerweile! Das ist wirklich eine verdammt vereinfachte, ja sogar falsche Darstellung!

Für mich war es wichtig zu vermitteln, dass die Schmerzen bei Endometriose keine Menstruationsschmerzen sind, sondern in einer ganz anderen Liga spielen, ja häufig auch zu jeder anderen Zeit auftreten. Endometriose ist eine Frauenerkrankung, hat aber nichts mit "Frauenkram" und "Befindlichkeitsstörungen" zu tun. Es war mir wichtig zu erzählen, dass es sich mit den Schmerzen auch noch lange nicht hat. Vor allem war es mir wichtig aufzuzeigen, in welchen Lebensbereichen die Endometriose Pläne und Wünsche durchkreuzt und zerstört.

© Komplett Media Verlag


Frisch diagnostiziert


Beim ersten Teil dachte ich an diejenigen, die mit der Diagnose zum ersten Mal konfrontiert werden. Ich überlegte mir, was ich damals nach meiner eigenen Diagnose gerne bereits gewusst hätte, was mir aber kein Arzt sagte.

Und sie kommt immer wieder ...


Ich dachte an die Betroffenen, die sich eine Zeit lang mit OP und/oder Hormonen in Sicherheit wiegen und die bei der erneuten Diagnose den Boden unter den Füßen verlieren, wie es mir damals passiert war.


Jahrelanger Kampf


Im zweiten Teil werden sich vielleicht vor allem diejenigen wiedererkennen, die sich seit Jahren mit der Endometriose rumplagen und die wissen, welche Unannehmlichkeiten diese Erkrankung noch so mitbringen kann, worüber aber niemand öffentlich spricht.

Dann dachte ich an die Verwandten und Bekannten, denen ich vermitteln wollte, dass es sich mit der Endo nicht um eine Lappalie handelt. Ich dachte an Menschen auf Behörden, die über unsere Anträge entscheiden. Und nicht zuletzt dachte ich an die Ärzte, vornehmlich Gynäkologen. Und zwar an diejenigen, die uns in unserem Kampf noch den Rest geben. Ich habe keine Ahnung, ob Ärzte sich für ein Buch aus Patientenperspektive interessieren werden. Aber nur für den Fall – man kann ja nie wissen – habe ich einen offenen Brief an sie verfasst.

Du bist nicht allein!


Besonders wichtig war mir auch zu signalisieren: Ihr seid da draußen mit der Endometriose nicht allein! Daher erzähle ich die Geschichte sehr persönlich, und daher lasse ich auch andere Betroffene zu Wort kommen, die sich auf verschiedene Art und Weise in der Selbsthilfearbeit und/oder Öffentlichkeitsarbeit um Endometriose engagieren und denen man online und/oder in Büchern weiter folgen kann. Denn ich finde, es ist ganz wichtig, dass wir uns vernetzen und zu einer „Bewegung“ werden!

Mein Buch gibt keine Heilsversprechen. Das fände ich bei einer so komplexen, individuellen, unerforschten Erkrankung wie Endometriose auch äußerst unseriös. Ich habe meine eigenen Erfahrungen mit denen von anderen Betroffenen und von Experten zusammengepackt und hoffe, dass die ein oder andere von Euch daraus nützliche Tipps im Umgang mit der Erkrankung ziehen kann. Das würde mich sehr freuen!

Eure Martina  


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Titelbild Vorlage: Ben White/unsplash.com/CC0 1.0

4 Kommentare

  1. Das klingt ja interessant, ich habe selbst endometriose und wurde auch schon wegen Schokozyste operiert! Aber ich war froh denn so konnte ich schwanger werden und mir wurde der größte Wunsch erfüllt! Lg babsi

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    1. Liebe Babsi, das freut mich sehr für Dich, dass es mit dem Kinderwunsch geklappt hat! Hoffentlich verschont Dich die Endo in Zukunft! Liebe Grüße! Martina

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  2. Liebe Martina (ich bin so frei und duze dich als Endoschwester einfach mal – hoffe, das ist ok ;-) ),

    ich möchte mich auf diesem Weg recht herzlich für dein Buch bedanken!
    Seit März habe ich es bei mir, habe aber immer wieder nur die Zeit für ein kurzes Querlesen gefunden. Gestern Abend habe ich dich bei sternTV gesehen. Heute am Feiertag nahm ich das Buch wieder in die Hand und begann richtig zu lesen. Immer wieder liefen mir die Tränen über's Gesicht. Allzu oft fand ich mich in dem Buch wieder und stellte wieder einmal fest: ich bin mit diesem ganzen Mist nicht alleine.
    Nochmals danke!

    Ich finde echt toll, dass die Endometriose endlich mehr in die Öffentlichkeit rückt und hoffe, dass sie so endlich mal ernster genommen wird.

    Liebe Grüße
    A.

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    1. Hallo, duzen unter Endo-Schwestern ist selbstverständlich ;-) Es freut mich, dass ich den Betroffenen mit dem Buch wenigstens das Gefühl vermitteln kann, dass wir alle mit dem Mist nicht alleine sind! Das ist mir ganz wichtig, denn ich kenne dieses Gefühl der Isolation durch die Krankheit. Ich hoffe, dass die Öffentlichkeitsarbeit zu mehr Verständnis für uns führen wird! Es wird höchste Zeit! Ganz liebe Grüße! Martina

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