Neues aus der Endometriose-Forschung


Bevor ich nun ein paar Wochen hinter meiner Tastatur verschwinde und drei Monate intensiv an dem Endometriose-Buch arbeiten werde, möchte ich noch zwei Endometriose-News mit Euch teilen, über die ich bei meinen Recherchen gestolpert bin. Es fehlen zwar immer noch groß angelegte Studien zur Endometriose, wie letztens noch ein Endo-Spezialist bei einem Vortrag sagte, aber hier und da forschelt man doch ein wenig herum.

Ich sehe was, was du nicht siehst!


Eine Studie hat sich mit dem Stellenwert von Anamnese und Diagnostik als Basis einer effektiven Behandlungsstrategie bei Endometrioseverdacht auseinandergesetzt. Man schaute sich also an, wie präzise man durch sorgfältige systematische Befragung der Patientinnen und die körperliche Untersuchung einschließlich des Transvaginalultraschalls eine Vorhersage von Endometriose und deren Ausdehnung treffen könne.

Die Ergebnisse: 

- Eine sorgfältige Befragung der Patientin biete zahlreiche Hinweise für die Lokalisation der Endometrioseherde. (Ja, ja, man muss uns nur zuhören ...)

- Schmerzskalen geben objektive Auskunft über die Schmerzintensität, diese sagt aber – wie wir ja alle wissen – nichts über das Ausmaß der Endometriose aus.

- Bei einer Endometriosezyste am Eierstock steigt die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls eine tiefinfiltrierende Endometriose zu haben, wenn eine Schmerzintensität nach der Schmerzskale VAS (Visual Analogue Scale) ≥5 angegeben würde bei zusätzlicher Dauer der Beschwerden ≥24 Monate und/oder Unfruchtbarkeit.

- Durch körperliche Untersuchung in Kombination mit dem Transvaginalultraschall könne eine Endometriose (Eierstockzysten, aber auch Hinweise auf Verwachsungszustand von Douglas-Raum und Beteiligung des Enddarms) sehr gut vorhergesagt werden, WENN sie von erfahrenen Untersuchern durchgeführt würde.

Zusammenfassend heißt es:

   „Zahlreiche Studien zeigen, dass differenzierte Anamneseerhebung in Kombination mit sorgfältiger   klinischer und TVS Untersuchung die Vorhersage von Endometriose und deren Ausdehnung mit   hoher Präzision erlauben.“

(Voraussetzung wäre natürlich, dass man an einen Arzt gerät, der bei den Symptomen eine Endometriose vermutet, und nicht einfach nur denkt, man hätte nicht mehr alle Löffel im Biskuit ...)

Quelle:
MM Wölfler, I Meinhold-Heerlein, G Trutnovsky, U Lang, U Ulrich: Der Stellenwert von Anamnese und Diagnostik als Basis einer effektiven Behandlungsstrategie bei Verdacht auf Endometriose. Georg Thieme Verlag KG (Hg.), Geburtshilfe Frauenheilkd 2016; 76 - SEF002 DOI: 10.1055/s-0036-1593320 Link: https://www.thiemeconnect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0036-1593320#AFSEF002_2 (Stand: 23.10.2016).

Ist Endometriose eigentlich „normal“?


Die Endometriose ist eine Krankheit, bei der man es mit Schmerzen, Unfruchtbarkeit und/oder Organbeeinträchtigungen zu tun hat. Aber es ist ja bekannter Weise nicht so, dass alle Frauen, die Endometriosezellen aufweisen, auch tatsächlich Beschwerden durch diese haben.

Prof. Dr. Ulrich vom Endometriosezentrum Berlin berichtet, dass man in der Wissenschaft u.a. die Frage stelle, ob die asymptomatische Endometriose vielleicht sogar ein „ganz normaler“ Zustand sei, und man nur noch nicht wisse, welche physiologische Bedeutung dahinter liege. Studien hätten gezeigt, dass sogar der Großteil der Frauen, die Endometrioseherde aufweisen, keine Symptome zeigten (!) Man hat auch beobachtet, dass manche Endometrioseherde spontan verschwinden würden.

Ein weiterer interessanter Aspekt: Oft höre man, dass die Endometriose fortschreitend verlaufe. Doch hierzu gibt es Studien, die dies nicht bestätigten. (Ich denke, es geht an dieser Stelle darum, dass die Endometriose nicht zwingend fortschreitet.) Eine prophylaktische Untersuchung bei asymptomatischer Endometriose sei daher nicht notwendig.

Quelle:
UA Ulrich, Martin-Luther-Krankenhaus, Frauenklinik, Berlin, Deutschland: Wann ist eine Endometriose eine Krankheit? Georg Thieme Verlag KG (Hg.), Geburtshilfe Frauenheilkd 2016 ; 76 - SEF001 DOI: 10.1055/s-0036-1593319. Link: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0036-1593319 (Stand: 23.10.2016).

Bei all den neuen Erkenntnissen bleiben die alten Fragen:

Warum dauert es immer noch so lange, bis eine Endometriose diagnostiziert wird?

Woher kommen Schmerzen und Co.? 
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Titelbild Vorlage: pixabay.com/CC0 1.0

2 Kommentare

  1. Liebe Martina,

    vielleicht ist einiges aus den folgenden Beiträgen für Dein/Ihr Buch verwendbar:

    http://www.endofound.org/video/event/medical-conference-2016/1357

    Ich ( Endo-Oldie, 55 Jahre alt ) fand die meisten Themen sehr spannend.

    "Endobay" ist eine echte Bereicherung in der Endometriose-Landschaft.
    Ich bin sehr gespannt auf das Buch.
    LG Sabine


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  2. Liebe Sabine! Vielen Dank für Deinen Kommentar! Das motiviert mich sehr!!!

    Und für Hinweise wie diesen bin ich immer sehr dankbar! Ich werde mir die Videos anschauen. Vor allem, weil in Amerika die Forschung anders betrieben werden kann, etwas unabhängiger von der Pharmaindustrie, wie ich letztens in einem Vortrag erfahren habe.

    Alles Gute Dir!
    Martina

    P.S.: Bin auch gespannt:-)

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