Pillenreport 2015 – Das muss man erst mal schlucken


So, jetzt hab ich ihn auch mal gelesen, den Pillenreport 2015 von der TK. Tja, was soll man dazu sagen: Wenn auch vieles erschreckend ist, so überrascht einiges schon gar nicht mehr – etwa die Marketingmethoden, mit denen man auf legalem Weg das Heilmittelwerbegesetz umgeht, um an die Teenager als Zielgruppe heranzukommen. Und eine Info, die ist besonders für Endometriosepatientinnen wichtig. Das war mir so gar nicht bewusst. Aber jetzt mal von Anfang an.
Eine Frage der Generation


Die TK ist ihre Verordnungsdaten durchgegangen. Auffallend ist, dass Präparate der 3. und 4. Generation wesentlich häufiger verschrieben werden als Pillen der 1. und 2. Generation – obwohl für erstere ein höheres Thromboserisiko belegt sei. Da hat man sich gefragt: Wie kommt denn das? Denn die verhütende Wirkung sei bei allen Präparaten etwa vergleichbar. Und eigentlich sollte man ja daran interessiert sein, möglichst wenige Nebenwirkungen zu riskieren.

Die Unterschiede in den Risiken lägen an den unterschiedlichen Gestagenkomponenten. Welche Vor- oder Nachteile ein neues Estrogen biete, sei übrigens nicht bekannt (wie beruhigend...).

Der Vergleichswert: Unter gesunden, nichtschwangeren Frauen, kommt eine Thromboembolie wohl bei 2 von 10.000 Frauen vor.

Mit dem geringsten Risiko (im Mittel 6 von 10.000 Frauen),  für eine venöse Thromboembolie seien die Gestagene

  • Levonorgestrel  
  • Norgestimat oder 
  • Norethisteron verbunden.

Ein höheres Risiko hätten die Gestagene
  • Drospirenon (im Mittel 13 von 10.000 Frauen),
  • Cyproteron (im Mittel 14 von 10.000 Frauen),
  • Gestoden (im Mittel 11 von 10.000 Frauen) oder
  • Desogestrel (im Mittel 14 von 10.000 Frauen).


Und aufgepasst: ungeklärt seien die Risiken bei

  • Dienogest,
  • Nomegestrol oder 
  • Chlormadinon. 

Zu diesen Gestagenen liegen keine ausreichenden Studien vor. Gut, dass wir mal (nicht) drüber gesprochen haben. Denn Dienogest ist das einzige Gestagen, das offiziell zur Behandlung der Endometriose zugelassen ist. Es steckt in der im Jahr 2014 meistverkauften Pille Maxim® und in der Visanne®.

Ansonsten fand ich es erschreckend, dass in den Statistiken der TK bereits 11- und 12-jährige Mädchen geführt werden, die hormonelle orale Kontrazeptiva verordnet bekommen. Nun ja. Sind halt andere Zeiten...

Den ganzen Report mit allen Hintergrundinformationen und sämtlichen Präparaten gibt es hier.
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Quelle: Daniele Boeschen, Judith Günther, Dennis Chytrek, Goentje-Gesine Schoch, Gerd Glaeske, Petra Thürmann: Pillenreport 2015. Universität Bremen. Mit freundlicher Unterstützung der Techniker Krankenkasse. 

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