Endometriose-Kongress 2015 – Tag 2/Teil 1


Heute habe ich mich wieder in die Heiligen Hallen unserer Hoffnungsträger begeben! Mein Fazit soweit: Ich weiß, dass ich nichts weiß! 

Ich dachte bisher, so einigermaßen verstanden zu haben, worum es bei der Endometriose geht. Aber mir wird bewusst: Ich kenne nur die Minispitze eines riesigen Eisberges! Und das frustriert mich! Schließlich will ich verstehen, was da in meinem Körper vor sich geht! 

Aber ich muss schon sagen: Nach Jahren der Arztsuche und ausreichend Enttäuschungen auf diesem Wege fühlt es sich gut an, ausnahmsweise von Leuten umgeben zu sein, die sich mit dem Thema Endometriose intensiv beschäftigen. Alleine das gibt schon ein kleines bisschen Hoffnung. Auch wenn man immer noch nicht weiß, was eigentlich die Ursachen der Endo ist...

Ein Vortrag, den ich heute gehört habe:


Malignität bei östrogenabhängigen Erkrankungen


Ein heikles Thema, bei dem oft vor Panikmache gewarnt wird. Es heißt immer, es passiere äußerst selten, dass die Endometriose entarte.

Prof. Dr. Ulrich vom Endometriosezentrum des Martin-Luther-Krankenhauses Berlin hielt den Vortrag zum Thema „Endometrioseassoziierte Malignome“. Zunächst einmal merkte er an, dass auf dem Boden einer Endometriose prinzipiell maligne Tumore entstehen könnten. 80 Prozent davon seien Ovarialkarzinome. Die maligne Transformation könne überall dort vorkommen, wo auch Endometriose vorkomme. Entsprechend der Häufigkeit der Darmendo und der rektovaginalen Endo seien Transformationen außerhalb des Ovars entsprechend an diesen Stellen häufig.  Das Risiko einer malignen Transformation einer ovariellen Endozyste z. B. wird laut einer aktuellen Metaanalyse zwischen 1,75 und 2,8 Prozent betitelt.

Nun stelle sich die Frage, ob sich wirklich aus Endometriosezellen direkt maligne Transformationen ergeben könnten oder ob es nicht doch eher so sei, dass sich Endometriose und etwa Ovarialkarzinome einfach im gleichen histologischen Milieu „wohlfühlen“.  Diese Frage sei noch nicht schlüssig beantwortet. 


Risikofaktoren für die maligne Transformation


Bei der Entstehung eines Ovarialkarzinoms würde eine Endometriose den Prozess um 5 Jahre beschleunigen. Ein erhöhtes Risiko für eine maligne Transformation liege vor bei: Endo-Zysten des Ovars, die größer/gleich 9 cm sind, besonders zur Zeit in oder nach den Wechseljahren, ein Überangebot an Östrogen und wenn man eine Endozyste des Ovars im Alter zwischen 10-20 Jahren hatte. 

Die Erfahrungen zeigten, dass endometriose-assoziierte Ovarialkarzinome selten ein Stadium FIGO II (eigene Anmerkung nach der Befragung von Wikipedia: auf das angrenzende Gewebe ausgedehnt) zeige und dass die Prognosen günstiger seien. 

Für uns jetzt wichtig, weil es das einzige ist, was wir in dem Sinne aktiv beeinflussen bzw. wo wir mitreden können: Bei Endometriose solle auf keinen Fall eine alleinige Östrogengabe nach den Wechseljahren erfolgen, auch nicht nach Gebärmutterentfernung! Eher eine Östrogen-Gestagen-Gabe oder Tibolon. 

Dazu kann ich nur sagen: Ich saß Anfang des Jahres vor einem jungen Gynäkologen, vielleicht gerade der Mensa entschlüpft, der meinte, ich solle so schnell wie möglich gegen Osteoporose Östrogen nehmen, da ich so früh in den Wechseljahren sei. Ich hatte den Vortrag damals noch nicht gehört, aber am liebsten hätte ich da schon gesagt: So, jetzt holen sie mal ihr Schlampermäppchen raus und schreiben: Östrogen bei Endometriose – bä! Aber genau das ist der Grund, warum man sich wohl besser an ein Endometriosezentrum wenden sollte. Leider ist nicht überall eines zu finden. Ich hoffe, da wird sich in Zukunft noch einiges tun.


So, ich bin total platt. Über die weiteren Vorträge von heute werde ich dann später berichten. Morgen geht es um 8:30 los. Da muss ich verdammt früh aufstehen. Ihr wisst ja, erst mal Gassi;-)


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