Endometriose – Wir sind nicht alleine!


Als ich vor etwa zehn Jahren mit Ende 20 die Diagnose Endometriose erhielt, hörte ich dieses Wort zum ersten Mal. Zunächst mal war ich erleichtert, dass es kein Krebs war. WAS es letztendlich bedeutete und welche Konsequenzen es haben würde, begriff ich erst allmählich im Laufe der Jahre,
  •  in denen ich es nie wieder schaffte, so zu "funktionieren", wie es einmal war,
  •  in denen die Schmerzen wieder kamen, sogar schlimmer als je zuvor,
  •  in denen ich alle Informationen selbst zusammensuchen musste, da die Ärzte mich nicht aufklären konnten/wollten und selbst überfordert zu sein schienen.


Bin ich denn die einzige Frau mit Endometriose?

Doch das schlimmste Gefühl von allen war, die einzige Frau mit Endometriose auf diesem Planeten überhaupt zu sein! Um mich herum waren plötzlich alle besonders gesund, leistungsfähig und fruchtbar. Selbst im Krankenhaus war ich die einzige Endo-Patientin auf weiter Flur. Ich werde nie die Frau bei der Krankengymnastik vergessen, die neben mir auf dem Boden liegend im breiten französischen Akzent fragte: ´Aben Sie auch geradö ärst entbunden?" Sie konnte ja nichts dafür, aber Mann, was war ich sauer! Lag vielleicht auch daran, dass ich eine Woche lang nichts essen durfte, während meine Zimmer-Kollegin ein Toffifee nach dem anderen schmiss.

Ich war wohl die einzige, die – wie einer der Frauenärzte mal so schön sagte – aus Gynäkologen-Sicht "die Arschkarte gezogen" hatte. Dieses Gefühl bestand sehr lange, auch wenn man vereinzelt mal von einer Cousine der Schwester einer Kollegin hörte. Die hatte dann aber nur eine kleine Zyste, wollte mal am Telefon mit einem darüber quatschen, es aber ansonsten nicht so an die große Glocke hängen, aus Angst, die berufliche Laufbahn zu gefährden.

Endo March – eine neue Hoffnung

Warum sah ich nie eine andere Frau gekrümmt über die Straße gehen? Wo waren sie denn alle – die Wärmflaschen-Trägerinnen und Schmerztabletten-Schmeißerinnen? Nach und nach merkte ich: Je häufiger und offener ich über meine Endometriose sprach, desto mehr Betroffene kreuzten meinen Weg. Doch keine von ihnen traut sich, über ihr Leiden zu sprechen, sei es aus
  • Scham, denn über die Menstruation spricht man nicht, die hat man …

  • Scham, denn jede Frau hat doch dabei ihre Probleme; In der Werbung tanzen sie sogar noch in engen Kleidern über die Straße und haben Spaß … Da heißt es "Zähne zusammenbeißen"…

  • Scham, nicht leistungsfähig zu sein und den Arbeitsplatz dadurch verlieren zu können …


Ich begann, mich in Foren und Facebook-Gruppen anzumelden und siehe da: Es gibt sie, die Leidensgenossinnen! Weltweit sind es etwa 176 Millionen Frauen! Und so langsam trauen sie sich, über ihre Krankheit zu sprechen, die zu lange unbeachtet blieb und bagatellisiert wurde.

Rund um den Globus gingen im März 2014 Tausende von ihnen zum ersten Mal auf die Straße, um uns Betroffenen Gehör zu verschaffen. Die Kampagne Endometriosis March ist ein erster kleiner Schritt, der Endometriose die Beachtung einzubringen, die sie braucht, damit die Forschung in Gang kommt, geeignete Therapien gefunden und wir Endo-Patientinnen einfach ernst genommen werden!


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