Ich bin nicht schlecht gelaunt – ich habe Endometriose!


Mir ist in letzter Zeit des Öfteren aufgefallen, dass ich bei Endometriose bedingten Problemen mehr auf meine Laune angesprochen als nach meinem Befinden gefragt werde. Fairer Weise muss ich zugeben, dass man es von außen ja auch nicht immer mitkriegt, wenn einen gerade eine Schmerzattacke oder eine Welle der Übelkeit ereilt. In den meisten Fällen werde ich dann einfach ganz still. Und das wird mir nun mal als schlechte Laune ausgelegt.

So habe ich es mir angewöhnt, von vornherein zu sagen: "Achtung, wenn ich heute eher schweigsam bin, so liegt es daran, dass es mir nicht gut geht, und NICHT an meiner Stimmung."

An den Galgen mit dem Humor!


Das hat dann tatsächlich nichts mit der Laune zu tun. Gut – die wird dann allmählich auch in Mitleidenschaft gezogen, aber nach so vielen Jahren der Endometriose kann ich es tatsächlich trennen. Hin und wieder gelingt es mir sogar, trotz Schmerzen – allerdings geringerer Intensität – so was wie gut gelaunt zu sein. Das äußert sich zwar dann in einer Art Galgenhumor, aber immerhin.
Daher stört es mich, ja verletzt mich geradezu, wenn man mir dann sagt, ich sei nicht gut drauf. Das eine hat mit dem anderen nur bedingt zu tun. Oder anders ausgedrückt:

Ich bin keine Spaßbremse – mir geht es nur scheiße!!!

Lieb gemeint und doch gemein: Aufmuntern wollen


Fataler Weise musste ich bisher folgende Beobachtung machen: Je stiller ich bei einer Endo-Attacke werde, umso redseliger wird mein Gegenüber. Es ist nur gut gemeint, und im Grunde meines Herzens weiß ich es zu schätzen. Wahrscheinlich ist es eine Art Reflex – das Aufmuntern wollen. ABER … Ich erkläre es mit folgendem Bild:

Man stelle sich einen Kreißsaal vor. Eine Gebärende liegt seit 10 Stunden in den schlimmsten Wehen seit Einführung der geschlechtlichen Fortpflanzung. Schweißperlen rinnen ihr aus allen Poren, sie ist verzweifelt. Und jetzt eine ernst gemeinte Frage: Würdet Ihr dieser Frau zur Aufmunterung einen Witz erzählen wollen?

Das Dumme am eigentlich netten Aufmuntern ist, dass man es anerkennen möchte – mit einem Lächeln, mit der Beteiligung am Gespräch oder sonstigen Dingen, die einem aber in dem Moment soooo viel Energie abverlangen und Überwindung kosten. Manchmal geht es halt einfach nicht. Liebe Angehörige, Partner und Freunde von Betroffenen:

Bitte in solchen Momenten nicht persönlich nehmen!!!

10 Sätze, die ich während einer Endo-Attacke nicht hören will

  • Bist Du heute nicht gut drauf?
  • Du bist so blass, geht es Dir nicht gut?
  • Du MUSST was essen!
  • Gehst Du mit dem Hund?
  • Guck doch nicht so unglücklich!
  • Entspann Dich!
  • Gehst Du morgen wieder arbeiten?
  • Du sollst doch keine Schokolade essen!
  • Vielleicht hättest Du die Hormone doch weiternehmen sollen …
  • Wir gehen zu fuß!

10 Dinge, die ich während einer Endo-Attacke brauche

  • Wärmflasche
  • Tee
  • Ruhe
  • Ruhe
  • Ruhe
  • Ruhe
  • Ruhe
  • Ruhe
  • Ruhe
  • Ruhe
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2 Kommentare

  1. Hallo Martina,
    du sprichst mir da aus der Seele :) Bei mir ist es meist die Besorgnis der anderen, die dann hilflos daneben stehen (Freund und einmal auch Mutter...). Abgesehen davon, dass man grade überleben muss, muss man die dann auch noch besänftigen, dass das normal sei, weil sonst 10 Minuten später ein Krankenwagen dastehen würde (mit vermutlich genauso ratlosem Sani, oder man würde mir den Blinddarm entfernen bevor ich verständlich hätte äußern können dass der nichts dafür kann).
    Und was ich außerhalb der Endo-Attacke definitiv nicht mehr hören will: Geh doch nochmal zu einem anderen Arzt. Das muss abgeklärt werden. Auch wenn du nicht willst, dann musst du halt Hormone nehmen, wenn der Arzt das so sagt. *Kopf->Wand*

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  2. Hallp Feri!

    Ja, das kenne ich, dieses "Geh noch mal zum Arzt...". Und auch, dass man versucht, mich zu Hormonen zu überreden. Es gibt so viele Widerstände von innen und von außen bei dieser Erkrankung. Man muss zu so vielen Seiten kämpfen, und das Schlimme: sich rechtfertigen! Mensch, fühl Dich gedrückt! Liebe Grüße!

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