Geschlechts-Krankheiten und Nuss-Nougat-Creme


Ende September waren wir von der Endometriose Selbsthilfegruppe Bonn zum ersten Mal auf der Gesundheitsmesse "bonn gesund" vertreten. Da standen wir zwischen Niereninsuffizienz und Diabetes, als ein älterer Herr an unseren Informationsstand trat und fragte, was denn Endometriose sei. Wir versuchten es zu erklären, und als das Wort "gynäkologisch" fiel, meinte er : "Ah – eine Geschlechtskrankheit!"
Über diese Assoziation waren wir doch sehr erstaunt. Anscheinend ist es nötig, mal gesagt zu werden:

Endometriose ist KEINE Geschlechtskrankheit!


Endometriose ist nicht ansteckend. Man kann sich Endometriose nicht durch Viren oder Bakterien "einfangen".

Aus Neugierde, ob diese Meinung weiter verbreitet sei, googelte ich die beiden Begriffe und kam in dem Zusammenhang auf einen zwar offensichtlichen, aber von der Schulmedizin meines Erachtens häufig vernachlässigten Aspekt der Endometriose: Entzündungen.

Von den meisten Ärzten wird nur der hormonelle Zusammenhang betont und sie verschreiben Hormone und Schmerzmittel. Wäre es so einfach, würden alle Betroffenen die Pille schlucken, und die Endometriose wäre im Zaum gehalten. Aber so ist es leider nicht. Die Hormone scheinen nur ein kleines Zahnrädchen in einem komplexen Getriebe mit maroden Bauteilen und verrosteten Schrauben zu sein.

Was Entzündungen fördert, fördert auch Endometriose


Nicht nur Östrogen lässt Endometriose wachsen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass alles Endometriose fördern kann, was auch Entzündungen fördert: Alkohol, Nikotin, Umweltgifte, Stress und nun mal auch Infektionen wie z. B. Geschlechtskrankheiten.

Ich kann es gar nicht stark genug betonen: Das heißt nicht, dass eine Frau mit Endometriose zwingend eine Geschlechtskrankheit hat! Genauso wenig es bedeutet, dass alle Frauen mit Endometriose Alkoholikerinnen sind, ketterauchen oder Benzin schnüffeln. Das bedeutet nur, dass Frauen mit Endometriose entzündungsfördernde Dinge meiden sollten, damit die Erkrankung nicht noch schlimmer wird.

Leider ist es so, dass man vieles nicht meiden kann. Wie sollte man Umweltgiften gänzlich entkommen? Und so viel kann ein normaler Mensch nicht meditieren, dass er vollkommen von Stress verschont bleibt. Da die Vermeidung aller negativer Einflüsse unmöglich ist, muss man zusätzlich von der anderen Seite an das Problem herangehen: Das Immunsystem muss gestärkt werden.

Dem Immunsystem auf den Zahn fühlen


Es gibt Studien, die zeigen, dass es sich bei der Endometriose um eine Immunerkrankung handelt: "Bei Frauen mit Endometriose kommt es zu einigen zytotoxischen Effekten in den peritonealen Makrophagen." (1) Frei übersetzt: Zellen des Bauchfells, die für die Immunabwehr zuständig sind, versagen ihren Dienst und schütten sogar noch entzündungsfördernde Stoffe aus.

Prof. Dr. med. Claus Schulte-Uebbing z. B. plädiert nach Untersuchungen in seiner eigenen Praxis dafür, dass die Diagnose von Endometriose auch immunologische und infektiologische Untersuchungen umfassen sollte. (Allerdings sei seine Praxisstudie nicht repräsentativ und es müssten in Zukunft noch mehr Studien in dieser Richtung durchgeführt werden.)

Ich persönlich hatte unter gefühlten tausend Ärzten bisher nur eine, die eine Stärkung des Immunsystems innerhalb der Therapie ansprach, z. B. durch eine Darmsanierung. Ansonsten wurde es nie erwähnt.

Ernährung bei Endometriose



Im Körper kommt es eher zu entzündlichen Reaktionen, wenn er übersäuert ist. Der Ernährungsstil in den westlichen Industrieländern ist da leider ein Eldorado für Entzündungen: Weizenmehl, raffinierter Zucker, minderwertige Fette – dies alles trägt zur Übersäuerung bei.

Entzündungshemmend wirkt eine überwiegend basische Ernährung mit vielen Vitaminen, frischem Obst, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren. Wie so eine Ernährung aussehen kann, stellt z. B. Bianca Bierschneider auf ihrem Blog "Besser Leben Ernährung bei Endometriose" mit Informationen und Rezepte-Tipps vor, wofür ich ihr unendlich dankbar bin, da es wirklich eine riesen Fleißarbeit ist, dies alles zusammenzustellen.


Der Nuss-Nougat-Nachteil


Ich selbst kann folgende Aussagen für mich bestätigen:

Östrogene fördern bei mir Endometriose – Meine Probleme fingen mit der Einnahme der Diane 35 (der absolute Östrogen-Overkill) an.

Zucker fördert bei mir Endometriose – Ich habe 10 Monate auf raffinierten Zucker verzichtet, bis auf zwei Ausnahmen:

Ein Chai Tea Latte von einer berühmten amerikanischen Coffee House-Kette. Eine halbe Stunde später bin ich vor Schmerzen fast eingegangen.

Letzte Woche bin ich schwach geworden – Eine Woche lang habe ich jeden Tag gesündigt und Nuss-Nougat Creme auf meinem Frühstücksbrot gegessen. Ich hatte keine schlimmen Schmerzen, aber nach langer Zeit haben sich meine Geschwüre wieder bemerkbar gemacht – durch ein unangenehmes Ziehen und Stechen. Kaum hatte ich die Nuss-Nougat-Creme weggelassen, hörte auch dieses "rohe" Gefühl wieder auf.

Weizen fördert bei mir Endometriose – Ich lebe seit 10 Monaten weizenfrei und hatte seitdem keine Schmerzen mehr, die mich zu Boden zwingen (auf Holz klopf).
Stress fördert bei mir Endometriose ­– Ich rede hier nicht von: "Ich habe so viel zu tun, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll." Es geht vielmehr um die Situationen im Leben, die einen Wendepunkt bedeuten, mit existentiellen Zukunftsängsten. In diesen Situationen ist meine Endometriose jedes Mal regelrecht explodiert.

Es fällt schwer, aber die Ernährungsumstellung ist machbar. Wie ich  Stress und Sorgen meiden soll, dafür fehlt mir leider noch das Konzept. Die Stärkung des Immunsystems – das steht bei mir als nächstes auf der Liste. Also dann, auf in die fröhliche Darmsanierung!

Dieser Artikel ersetzt nicht den fachlichen Rat, z. B. durch einen Arzt.
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 Quellen:


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