Endometriose – eine gutartige Erkrankung?


Was ist der Unterschied zwischen Endometriose und Krebs?


Als ich 2004 die Diagnose Endometriose erhielt, stellten sich mir auf einen Schlag tausende von Fragen. Warum diskutierte man meinen Fall im Rahmen eines "Tumor-Boards"? Tumor – ist das nicht Krebs? Und wenn es das nicht ist, kann es denn noch Krebs werden? Was sind die Gemeinsamkeiten, was die Unterschiede? Kann Endometriose auch tödlich sein? Was der eigentliche Unterschied zwischen Endometriose und Krebs ist, habe ich erst heute in einem Artikel gefunden. Aber dazu später.

Zunächst einmal ist zu sagen, dass der Begriff "Tumor" ein ganz allgemeiner Begriff für eine örtlich begrenzte Zunahme von Gewebe ist. Im weitesten Sinne ist schon eine entzündliche Schwellung ein Tumor. Im engeren Sinne verwendet man die Bezeichnung für das außer Kontrolle geratene Wachstum von körpereigenen Zellen.

Gutartige und bösartige Tumore


Es gibt gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Tumore. Schaut man sich nun die Kriterien für beide Tumor-Kategorien an, stellt man schnell fest, dass die Endometriose nicht ganz eindeutig einzuordnen ist, auch wenn sie als gutartige Erkrankung gilt.

Gutartige Tumore wachsen eher langsam, vor allem wachsen sie nicht in anderes Gewebe hinein und bilden keine Tochtergeschwulste (Metastasen). Als weiteres Kriterium für einen benignen Tumor ist, dass der Betroffene nach der operativen Entfernung in der Regel geheilt ist. Beispiele für solche harmlosen Geschwülste sind etwa Darmpolypen oder Lipome (Wucherungen von Fettgewebe).

Ist Endometriose wirklich gutartig?


Über eines sind wir uns denke ich schnell einig: Nach der Entfernung eines Endometriose-Tumors ist man nicht geheilt. Endometriose ist ja bekanntlich chronisch. Bösartige Tumore wachsen in umgebendes Gewebe ein und bilden Metastasen. An dieser Stelle möchte ich ein Zitat von der Website der Uni Frankfurt heranziehen: "Als Paradigma für Invasion und Metastasierung wird die Endometriose herangezogen, die eine (...) invasive und metastasierende Erkrankung von Frauen ist."(2)

Dä! Endometriose kann tief in anderes Gewebe eindringen, etwa in Darmwand oder Blase (3). Eine Metastasierung über Blutgefäße und Lymphsystem wird angenommen, da Endometriose in seltenen Fällen auch an entfernteren Stellen auftreten kann, wie etwa in Lunge oder Gehirn. Und wie ein bösartiger Tumor geht auch die Endometriose durch mehrere Stadien der Blutgefäßneubildung (Angiogenese), (6).

Wenn sich die Endometriose von ihrem Wachstum her wie ein bösartiger Tumor verhält (s. auch 4), was ist denn dann der Unterschied zu einem Krebsgeschwür?

Der Unterschied zwischen Endometriose und Krebs


Mir war natürlich schon immer klar, dass es etwas anderes ist, an Krebs erkrankt zu sein als an Endometriose, doch medizinisch hatte mir den Unterschied bisher noch niemand erklärt. Und da stieß ich heute auf einen Newsletter der Stiftung Endometriose Forschung von 2011 und finde folgende Aussage:

"Allerdings unterscheidet sich die Endometriose von malignen Läsionen (Anm. von mir: Läsion = Verletzung, krankhafte Veränderung) entscheidend dadurch, dass es nicht zu katabolen Prozessen und extrem selten zu einem tödlichen Ausgang kommt." (4)
Katabole Prozesse? Nach der Befragung von Dr. Google:

Katabolismus bezeichnet man den Abbau von großen Nährstoffmolekülen (Zucker, Fette, Eiweiße). Dieser Abbau ist bei Krebsgeschwüren wohl vermehrt, vor allem in Fett- und Muskelgewebe (5). Oft kommt es bei Krebserkrankungen zu einer regelrechten Auszehrung des Körpers.

Das ist der wesentliche Unterschied. Daher ist Endometriose unterm Strich eine gutartige Erkrankung – allerdings gutartig im medizinischen Sinne von "benigne", nicht im Sinne von "Na, dann ist ja alles gut." Ich denke, da wird mir die ein oder andere Betroffene zustimmen ...

Dieser Artikel ersetzt nicht den fachlichen Rat, z. B. durch einen Arzt.
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Quellen:
(6) Andreas D. Ebert: Endometriose – Ein Wegweiser für die Praxis; 2., überarb. Auflage, Berlin/New York 2006.

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