Mittwoch, 30. November 2016

Kurzes Update!



Der zweite Teil des Manuskripts meines Endometriosebuches ist eingereicht! Heute wird mal nicht gearbeitet, sondern durchgeatmet :-) Der Hund darf sich auf einen langen Spaziergang freuen, die Staubmilben können schon mal ihre Köfferchen packen – ihnen geht es nach langer Zeit nochmal an den Kragen.

Als ich 2004 auf dem Weg ins Krankenhaus im Auto saß, spielten sie den Song „Left Outside Alone“ von Anastasia im Radio. Wie passend, dachte ich noch. Ein Jahr später folgte meine nächste OP, und Anastasia veröffentlichte kurze Zeit darauf den Song, in dem sie ihre Brustkrebserkrankung verarbeitet. Diesen Song verbinde ich ganz eng mit meiner Geschichte. Ich fühle genau, wovon sie da singt.


Endometriose ist kein Krebs! Jetzt hab dich mal nicht so! Das denken nicht wenige. Nun, diesem Thema habe ich ein ganzen Kapitel in meinem Buch gewidmet. Ich erkläre, warum die Endometriose krebsähnlich ist, was die Unterschiede zu Krebs sind und wie es z.B. mit dem Krebsrisiko als Endometriosepatientin aussieht. Und ich versuche auch zu erklären, warum der psychische Leidensdruck bei Endometriosepatientinnen größer ist als bei Brustkrebspatientinnen, wie man in einer Befragung herausfand.

Hier geht es zu dem Song "Heavy On My Heart". Nicht unbedingt ein Video mit hoher Qualität, dafür mit dem Gefühl, das ich seit der Erkrankung teile!

P.S.: Wer meinen Schreibprozess mitverfolgen möchte, kann gerne auf meinem Schreib-Blog WAS MIT WORTEN vorbeischauen. Der war ursprünglich für meinen ersten Roman gedacht. Nach der Anfrage durch den Verlag musste ich meine Pläne da ein bisschen umändern ... :-)

Mittwoch, 9. November 2016

Falsche Glaubenssätze besiegen

Ich stecke mitten in der Lektüre von Angelika Koppes Buch "Selbstheilung bei Endometriose".



Bei dem Titel dachte ich erst: "Nee, is klar! Schon wieder so ein Esoterik-Gedönse, bei dem man nur mal seine Chakren auswringen muss". Aber dem ist nicht so. Die Kraft der eigenen Gedanke, der gegenseitige Einfluss von Psyche und Körper, die Verbindung von Hirn und Organen - das alles ist ja mittlerweile wissenschaftlich belegt.

Bei der im Buch vorgestellten Methode Wildwuchs® geht es darum, Kontakt zum eigenen Körper aufzunehmen und mal genauer "hinzuschauen". Es geht darum, mittels Visualisierungstechniken die Schwachstellen des Körpers aufzudecken, aber ebenso, die Kraftquellen zu finden. Und es geht darum, mit falschen Glaubenssätzen aufzuräumen!

Ich bin noch nicht ganz mit dem Buch durch. Aber hier schon mal ein kleiner Text, der entstanden ist, als ich meinen Glaubenssätzen an den Kragen bin:


Dienstag, 1. November 2016

Prof. Possover zur Behandlung der Endometriose

Heute zum Feiertag ein kleines Video (6 Min.), in dem Prof. Possover (Zürich) über die Behandlungsmöglichkeiten der Endometriose referiert.

 
Endometriose%20Behandlung%20-%20Possover.mpg from Marc Possover on Vimeo.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Neues aus der Endometriose-Forschung


Bevor ich nun ein paar Wochen hinter meiner Tastatur verschwinde und drei Monate intensiv an dem Endometriose-Buch arbeiten werde, möchte ich noch zwei Endometriose-News mit Euch teilen, über die ich bei meinen Recherchen gestolpert bin. Es fehlen zwar immer noch groß angelegte Studien zur Endometriose, wie letztens noch ein Endo-Spezialist bei einem Vortrag sagte, aber hier und da forschelt man doch ein wenig herum.

Ich sehe was, was du nicht siehst!


Eine Studie hat sich mit dem Stellenwert von Anamnese und Diagnostik als Basis einer effektiven Behandlungsstrategie bei Endometrioseverdacht auseinandergesetzt. Man schaute sich also an, wie präzise man durch sorgfältige systematische Befragung der Patientinnen und die körperliche Untersuchung einschließlich des Transvaginalultraschalls eine Vorhersage von Endometriose und deren Ausdehnung treffen könne.

Die Ergebnisse: 

- Eine sorgfältige Befragung der Patientin biete zahlreiche Hinweise für die Lokalisation der Endometrioseherde. (Ja, ja, man muss uns nur zuhören ...)

- Schmerzskalen geben objektive Auskunft über die Schmerzintensität, diese sagt aber – wie wir ja alle wissen – nichts über das Ausmaß der Endometriose aus.

- Bei einer Endometriosezyste am Eierstock steigt die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls eine tiefinfiltrierende Endometriose zu haben, wenn eine Schmerzintensität nach der Schmerzskale VAS (Visual Analogue Scale) ≥5 angegeben würde bei zusätzlicher Dauer der Beschwerden ≥24 Monate und/oder Unfruchtbarkeit.

- Durch körperliche Untersuchung in Kombination mit dem Transvaginalultraschall könne eine Endometriose (Eierstockzysten, aber auch Hinweise auf Verwachsungszustand von Douglas-Raum und Beteiligung des Enddarms) sehr gut vorhergesagt werden, WENN sie von erfahrenen Untersuchern durchgeführt würde.

Zusammenfassend heißt es:
   „Zahlreiche Studien zeigen, dass differenzierte Anamneseerhebung in Kombination mit sorgfältiger   klinischer und TVS Untersuchung die Vorhersage von Endometriose und deren Ausdehnung mit   hoher Präzision erlauben.“

(Voraussetzung wäre natürlich, dass man an einen Arzt gerät, der bei den Symptomen eine Endometriose vermutet, und nicht einfach nur denkt, man hätte nicht mehr alle Löffel im Biskuit ...)

Quelle:
MM Wölfler, I Meinhold-Heerlein, G Trutnovsky, U Lang, U Ulrich: Der Stellenwert von Anamnese und Diagnostik als Basis einer effektiven Behandlungsstrategie bei Verdacht auf Endometriose. Georg Thieme Verlag KG (Hg.), Geburtshilfe Frauenheilkd 2016; 76 - SEF002 DOI: 10.1055/s-0036-1593320 Link: https://www.thiemeconnect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0036-1593320#AFSEF002_2 (Stand: 23.10.2016).

Ist Endometriose eigentlich „normal“?


Die Endometriose ist eine Krankheit, bei der man es mit Schmerzen, Unfruchtbarkeit und/oder Organbeeinträchtigungen zu tun hat. Aber es ist ja bekannter Weise nicht so, dass alle Frauen, die Endometriosezellen aufweisen, auch tatsächlich Beschwerden durch diese haben.

Prof. Dr. Ulrich vom Endometriosezentrum Berlin berichtet, dass man in der Wissenschaft u.a. die Frage stelle, ob die asymptomatische Endometriose vielleicht sogar ein „ganz normaler“ Zustand sei, und man nur noch nicht wisse, welche physiologische Bedeutung dahinter liege. Studien hätten gezeigt, dass sogar der Großteil der Frauen, die Endometrioseherde aufweisen, keine Symptome zeigten (!) Man hat auch beobachtet, dass manche Endometrioseherde spontan verschwinden würden.

Ein weiterer interessanter Aspekt: Oft höre man, dass die Endometriose fortschreitend verlaufe. Doch hierzu gibt es Studien, die dies nicht bestätigten. (Ich denke, es geht an dieser Stelle darum, dass die Endometriose nicht zwingend fortschreitet.) Eine prophylaktische Untersuchung bei asymptomatischer Endometriose sei daher nicht notwendig.

Quelle:
UA Ulrich, Martin-Luther-Krankenhaus, Frauenklinik, Berlin, Deutschland: Wann ist eine Endometriose eine Krankheit? Georg Thieme Verlag KG (Hg.), Geburtshilfe Frauenheilkd 2016 ; 76 - SEF001 DOI: 10.1055/s-0036-1593319. Link: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0036-1593319 (Stand: 23.10.2016).

Bei all den neuen Erkenntnissen bleiben die alten Fragen:

Warum dauert es immer noch so lange, bis eine Endometriose diagnostiziert wird?

Woher kommen Schmerzen und Co.? 

Titelbild Vorlage: pixabay.com/CC0 1.0

Mittwoch, 21. September 2016

Pillenreport 2015 – Das muss man erst mal schlucken


So, jetzt hab ich ihn auch mal gelesen, den Pillenreport 2015 von der TK. Tja, was soll man dazu sagen: Wenn auch vieles erschreckend ist, so überrascht einiges schon gar nicht mehr – etwa die Marketingmethoden, mit denen man auf legalem Weg das Heilmittelwerbegesetz umgeht, um an die Teenager als Zielgruppe heranzukommen. Und eine Info, die ist besonders für Endometriosepatientinnen wichtig. Das war mir so gar nicht bewusst. Aber jetzt mal von Anfang an.


Eine Frage der Generation


Die TK ist ihre Verordnungsdaten durchgegangen. Auffallend ist, dass Präparate der 3. und 4. Generation wesentlich häufiger verschrieben werden als Pillen der 1. und 2. Generation – obwohl für erstere ein höheres Thromboserisiko belegt sei. Da hat man sich gefragt: Wie kommt denn das? Denn die verhütende Wirkung sei bei allen Präparaten etwa vergleichbar. Und eigentlich sollte man ja daran interessiert sein, möglichst wenige Nebenwirkungen zu riskieren.

Die Unterschiede in den Risiken lägen an den unterschiedlichen Gestagenkomponenten. Welche Vor- oder Nachteile ein neues Estrogen biete, sei übrigens nicht bekannt (wie beruhigend...).

Der Vergleichswert: Unter gesunden, nichtschwangeren Frauen, kommt eine Thromboembolie wohl bei 2 von 10.000 Frauen vor.

Mit dem geringsten Risiko (im Mittel 6 von 10.000 Frauen),  für eine venöse Thromboembolie seien die Gestagene

  • Levonorgestrel  
  • Norgestimat oder 
  • Norethisteron verbunden.

Ein höheres Risiko hätten die Gestagene

  • Drospirenon (im Mittel 13 von 10.000 Frauen),
  • Cyproteron (im Mittel 14 von 10.000 Frauen),
  • Gestoden (im Mittel 11 von 10.000 Frauen) oder
  • Desogestrel (im Mittel 14 von 10.000 Frauen).


Und aufgepasst: ungeklärt seien die Risiken bei

  • Dienogest,
  • Nomegestrol oder 
  • Chlormadinon. 

Zu diesen Gestagenen liegen keine ausreichenden Studien vor. Gut, dass wir mal (nicht) drüber gesprochen haben. Denn Dienogest ist das einzige Gestagen, das offiziell zur Behandlung der Endometriose zugelassen ist. Es steckt in der im Jahr 2014 meistverkauften Pille Maxim® und in der Visanne®.

Ansonsten fand ich es erschreckend, dass in den Statistiken der TK bereits 11- und 12-jährige Mädchen geführt werden, die hormonelle orale Kontrazeptiva verordnet bekommen. Nun ja. Sind halt andere Zeiten...

Den ganzen Report mit allen Hintergrundinformationen und sämtlichen Präparaten gibt es hier.

Quelle: Daniele Boeschen, Judith Günther, Dennis Chytrek, Goentje-Gesine Schoch, Gerd Glaeske, Petra Thürmann: Pillenreport 2015. Universität Bremen. Mit freundlicher Unterstützung der Techniker Krankenkasse. 


Mittwoch, 14. September 2016

Ich bin Endo-Patientin – Ich will mitreden!


Ich denke, in einem Punkt sind wir uns alle einig: Als Endometriose-Patientin sollte man nicht nur, nein, man muss mitreden, wenn es um die Behandlung geht! Die Ärzte  können zwar ihre Vorschläge machen, aber nur man selbst kann nach einiger Zeit sagen, ob und welche Schmerzmittel bzw. Hormone bei einem anschlagen und welche man verträgt. Nur man selbst kann entscheiden, welche Nebenwirkungen man bereit ist zu ertragen und ob die Beschwerden so schwer wiegen, das Risiko einer Operation auf sich zu nehmen.

Entscheidungen für oder gegen ein Medikament, für oder gegen eine OP sind mit Endometriose alles andere als banal und einfach. Man weiß nie, was sich schlimmer auswirkt: Die Endo selbst oder die Folgen der OP bzw. Nebenwirkungen der Hormone. Zudem kommt hinzu, dass die Verläufe bei den Patientinnen so individuell sind, dass man sich nicht an ihnen orientieren kann. Man kann nicht sagen: „Bei der XY hat es geholfen, also wird es mir auch helfen.“ So einfach ist es leider nicht.

Patientinnen dürfen bei der Zertifizierung von Endometriose-Zentren mitreden


Um eine Entscheidung fällen zu können, braucht man eine gute Beratung und jemand, der einem möglichst alle Konsequenzen aufzeigen kann. Für solch eine Beratung braucht es Erfahrung, und diese und noch viel mehr Dinge müssen zertifizierte Endometriosezentren aufweisen. Für die Zertifizierung müssen sie sich bestimmten Prüfungen stellen. Und das Schöne daran: Wir Endometriose-Patientinnen dürfen da mitreden! 

Wir dürfen mitbestimmen, welche Einrichtungen Endometriose zertifiziert werden und welche nicht. Erfahrungsberichte von Patientinnen sind für die Beurteilung der Zentren sehr wichtig, ob positiv oder negativ. Diesen Blog schreibe ich privat, ganz unabhängig. Aber ich bin auch Mitglied in der Endometriose-Vereinigung Deutschland. Und als solches habe ich die Möglichkeit, mir Endometriosezentren anzuschauen und meinen Senf dazu zu geben. Innerhalb der nächsten zwei Monate sind es fünf Stück. Es ist ein wichtiger Beitrag, den die Vereinigung da leistet, und eine tolle Chance für mich als Betroffene, meine Meinung einzubringen.

Einige Kriterien zur Zertifizierung und die Zentren selbst findet Ihr auf der Seite der Endometriose-Vereinigung Deutschland.

Freitag, 2. September 2016

Pizza, Pasta, Panna Cotta


Da isser wieder, der Alltag! Momentchen, ich wisch mir gerade noch die letzte Träne weg, die ich dem Urlaub hinterherweine. Schön war`s! Nach ein paar Jahren hundefreundlichen Urlaubs an Nord- und Ostsee hat mein Mann sich nochmal durchgesetzt und es ging in den Süden nach Italien (und der Hund in die Hundepension). Ein etwas schwieriges Reiseziel, wenn man dem Weizen abgeschworen hat. Vor allem, wenn man kein Risotto mag.

Ich hatte es mir tatsächlich vorgenommen, meine Weizenabstinenz durchzuziehen. Letztes Jahr kam ich eine Woche nicht um Weizenbrötchen und –nudeln herum, und das auch noch ausgerechnet im Krankenhaus, wo man meinen Wunsch nach Alternativen organisatorisch nicht auf die Reihe brachte. Ein Tag mal eine Pizza ist kein Problem. Aber nach einer ganzen Weizen-Woche hatte ich wieder gehörige Endometrioseschmerzen. Den Fehler wollte ich dieses Mal nicht wieder begehen.

Das große Fressen

Was soll ich sagen: Die guten Vorsätze waren schnell über Bord der Autofähre geworfen. Ich habe mich regelrecht einmal quer durch die italienische Küche gefressen! Und: keine Schmerzen!
Eine Freundin meinte dann nach meiner Rückkehr, sie hätte schon oft gehört, dass Leute den Weizen in Italien besser vertragen würden, da man dort wohl noch den Ur-Weizen verwende.

Ha! Fand ich ja mal interessant. Schon mal von ATI gehört, einem vermehrt vorliegenden Protein in hochgezüchteten, modernen Weizensorten? Manchmal glaube ich ja, es könne daran liegen, dass Entzündungsprozesse in meinem Körper und damit die Endo angeschubst wird:
https://www.youtube.com/watch?v=VwlD_D43lpI
Ich weiß es nicht. Bin nur froh, dass ich die Weizen-Wonne heil überstanden habe.

Dienstag, 12. Juli 2016

Endometriose-Tag 2016 in Herne


Am 21. Juni 2016 hat die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des St. Anna Hospitals in Herne, unter Leitung von Dr. Harald Krentel, einen Endometriose-Tag veranstaltet. Da ich nicht allzu weit weg wohne, hat mich die Endometriose-Vereinigung gefragt, ob ich dort nicht einen Vortrag halten könnte zum Thema „Alltag mit Endometriose“. Obwohl ich lieber hinter meinem „sicheren“ Schreibtisch sitze und tippe, ist es ganz klar Ehrensache, dass man das dann auch macht. Also bereitete ich mein kleines Referat vor und übte fleißig. Meine Hündin musste als Publikum herhalten. (Unter Real-Bedingungen erhoffte ich mir aber dann doch mehr als ein müdes Gähnen und am Hintern lecken ...).

Der Stolz von Wanne-Eickel


So reiste ich dann am 21. mit dem Zug in den Pott. (Kleiner Tipp für alle, die mal ins Endometriose-Zentrum Herne müssen: Aussteigen in Wanne-Eickel Hauptbahnhof, NICHT Herne-Hauptbahnhof!). Während lustiger Taxifahrten erfuhr ich von der Eingemeindung Wanne-Eickels und dass es seitdem „Cranger Kirmes Herne“ heißt, obwohl die Cranger Kirmes genau genommen Eickeler Kulturgut ist! (Hätten wir das auch mal geklärt.)

Schwerpunkt: Adenomyose


Abends suchte ich dann das St. Anna Hospital auf und war positiv überrascht von dem großen, hellen und modernen Gebäude. Der Konferenzraum füllte sich nach und nach. Es gab wohl rund 70 Anmeldungen. Und obwohl an dem Abend ein Deutschlandspiel im Rahmen der EM stattfand, war die Veranstaltung gut besucht.

Der Schwerpunkt lag diesmal auf der Adenomyose. Hier meine Notizen:

  • Bisher gibt es nur wenige Studien zur Adenomyose. So langsam, ändert sich das aber.
  • Adenomyose wird zunehmend häufig gefunden. Sie haben in Herne den Versuch gestartet, die Hysterektomie-Präparate auf Adenomyose zu untersucht. Nicht alle Präparate dabei stammen von Frauen, die wegen Endometriose operiert wurden, und doch fand man in 32,53% der Fälle Adenomyose. 
  • Die gesicherte Diagnose kann in den meisten Fällen wirklich erst nach pathologischem Befund nach Gebärmutterentfernung gestellt werden. Eine Stanzbiopsie, wenn die Gebärmutter im Körper verbleibt, hilft nicht viel weiter, da bei Negativbefund ja trotzdem eine Adenomyose vorliegen kann. Man hat dann nur halt vielleicht nicht die richtige Stelle erwischt. Bei einem Negativbefund sagt die Biopsie so nichts aus.
  • Neue Erkenntnis: Die Tiefinfiltrierende Endometriose (TIE) korreliert mit Adenomyose in 50% aller Fälle. Entfernt man die TIE, ist häufig die Adenomyose daran Schuld, wenn es nach der OP mit den Symptomen nicht sehr viel besser ist.
  • Adenomyose begünstigt Unfruchtbarkeit. Man weiß nicht, wieso das so ist. Studien zum Erfolg von Invitrofertilisation bei Adenomyose zeigen gegensätzliche Ergebnisse: Eine sagt, sie senkt die Erfolgsrate, eine andere Studie sagt, sie hat darauf keinen Einfluss. 
  • Eine OP ist einfacher, wenn Adenomyose an einer bestimmten Stelle der Gebärmutter vorkommt. Wesentlich kompliziertes ist es natürlich, wenn sie diffus verstreut auftritt. 
  • Die Therapie richtet sich meist nach dem Kinderwunsch: Ohne Kinderwunsch oft Hysterektomie, mit Kinderwunsch OP der Herde und anschließend GnRH, obwohl nicht gesichert ist, dass das GnRH zu einer höheren Schwangerschaftsrate beiträgt. Gestagenpräparate, auch die Hormonspirale, zeigen im Allgemeinen eine gute Wirkung gegen die Schmerzen.


In der anschließenden Fragerunde hat Dr. Krentel folgendes nochmal betont:

  • Die Ursachen der Endometriose sind nach wie vor unklar.
  • Es fehlt an großangelegte Studien.
  • Eine Hormontherapie kann die Endometriose meist nicht aufhalten, sondern verzögert ein Wiederauftreten häufig nur. Sie hilft Frauen, die sie vertragen, gegen die Schmerzsymptomatik.
  • Sie erzielen mit den OPs gute Erfolge, was Schmerzsymptomatik und Schwangerschaftswunsch angeht.
  • Es gibt Fälle, bei denen man meint, alles gründlich entfernt zu haben, doch nach drei Monaten findet man schon wieder Rezidive. Niemand weiß, warum das so ist 
  • Warum Gestagen bei manchen gegen die Schmerzen hilft und bei manchen nicht, liegt wahrscheinlich auch an der individuellen Zahl der Hormonrezeptoren am Bauchfell.

Die googelnde Patientin


Nach Dr. Krentel durfte ich dann meinen Vortrag halten und war erleichtert, dass ich zum einen trotz der Aufregung bei Bewusstsein geblieben bin und dass im Anschluss Frauen zu mir kamen und sagten, sie hätten sich darin absolut wiedergefunden. Man weiß ja vorher nicht, ob man es nur selbst alles so wahrnimmt.

Dann gab es einen Vortrag von einer niedergelassenen Gynäkologin. Den fand ich ehrlich gesagt eher „schwierig“. Sie sagte, es dauere lange, bis sie mal von Endometriose spreche. Denn nachher gingen die Patientinnen hin, googelten und würden ganz schlimme Dinge in dem Zusammenhang finden und würden sich dann nur Sorgen machen. Und es kämen ja auch noch andere Dinge in Frage, wie erblich bedingte Nervenschmerzen ... Erst mal würde man verschiedene Hormonpräparate ausprobieren.

Nun.

Mein Gegenargument Nr. 1: Die Symptome hat man als Patientin trotzdem. Googeln wird man trotzdem. Und unter Umständen findet man dann noch viel schlimmere Dinge als Endometriose. Von der Seite kann man es ja auch mal betrachten.

Mein Gegenargument Nr. 2: Ich könnte ihre Argumentation noch einiger Maßen nachvollziehen, wenn Endometriose eine seltene Erkrankung wäre. Aber doch nicht bei der zweithäufigsten, gutartigen Frauenerkrankung! Da muss man doch sofort an Endometriose denken! (Oder kommen erblich bedingte Nervenschmerzen noch öfters vor? Zugegeben, ich weiß es nicht.)

Mein Gegenargument Nr. 3: Natürlich soll man nicht mit dem Holzhammer kommen und sagen: Pech gehabt! Es könnte Endometriose sein! Die Nächste bitte! ABER: Worüber ich mir `nen Kopf mache oder nicht, das soll sie mal schön meine Sorge sein lassen! Ich bin eine erwachsene Frau! Sie ist nicht meine Mutter! Sie ist Ärztin. Jetzt mal provokant gesagt: Sie ist „Dienstleisterin“, nicht mein Vormund! Ich habe ein Recht darauf zu erfahren, was mit meinem Körper los ist bzw. los sein könnte.

Und dann sagte sie, dann warte man erst mal ab, ob die Schmerzen schlimmer werden würden und immer öfters kämen.

Nun.

Mein Gegenargument dazu: Bei Endometriose ist der Übergang in ein chronisches Schmerz-Stadium UNABHÄNGIG von der Dauer der Erkrankung und von der Menge der Herde! (Quelle: Katharina Möller: Hyperalgesiemechanismen bei Patientinnen mit Endometriose. Berlin, 2015, S.14). Und was die Schmerzintensität angeht, so ist es nach meiner eigenen Erfahrung nicht so, dass die Schmerzen schlimmer werden, je länger man die Erkrankung hat. Am Anfang meiner Erkrankung und auch am Anfang der Rezidive waren sie eigentlich am schlimmsten.  

Wie gesagt, „schwierig“...

Alles in allem war es eine gelungene, interessante Veranstaltung! Dr. Krentel habe ich als sehr engagierten, ehrlichen Endometriose-Spezialisten kennen gelernt. Er setzt sich sehr für Forschung und Behandlung der Endometriose ein, hat ein Endometriose-Zentrum in Peru gegründet und bildet die Ärzte vor Ort weiter. Wer mehr erfahren möchte, kann hier mal vorbei schauen: EDP- Endometriose Deutschland Peru. 




Dieses Notizbuch hatte ich mir vorher noch am Bahnhof gekauft. Fand ich irgendwie passend ...

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Samstag, 18. Juni 2016

Kurioser geht es nicht mehr!


Nein, diese unglaubliche Studie kann man nicht ignorieren! Man hat das Gefühl, dass anscheinend nun die Generation in die Wissenschaft gerückt ist, die Gameboys statt Bücher im Rucksack hatte und nun statt in der Uni-Bibliothek bei Youporn abhängt. In einer amerikanischen Studie heißt es doch tatsächlich:

Oralsex wird mit einer geringeren Endometriose-Rate in Zusammenhang gebracht!

Tja, und liest man sich den Text genauer durch, stellt man fest: Die meinen auch noch die mündliche Zuwendung der Frau an den Mann. Ja, richtig gelesen. Ich habe mir auch irritiert die Stirn gekratzt.

Die Argumentation: Im Nasen-Rachenraum befinde sich Lymphgewebe, über das wahrscheinlich durch Oralsex das Immunsystem positiv stimuliert und in der Folge Unterleibsentzündungen und Endometriose entgegengewirkt werde.

Das eigentlich Witzige kommt ja noch! Die Herleitung: Man befragte rund 600 Frauen. Und diejenigen, die angaben, Oralsex innerhalb der vorhergegangenen 4 Wochen gehabt zu haben, hatten mit einer signifikant geringeren Wahrscheinlichkeit Endometriose.

Ich lasse das jetzt erst mal auf Euch wirken...

Der Link zur Studie: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3639487/

Schon gewusst:

Der Gebrauch von EC-Karten verhindert Schmerzen bei der Zahnarztbehandlung. Man hat 100 Personen befragt. Diejenigen, die innerhalb der letzten zwei Tage ihre EC-Karte benutzten, hatten für dieses Jahr noch nicht ihren Zahnarztkontrolltermin gemacht.

Duftbäumchen können Auffahrunfälle verhindern. Von 100 nicht in Unfälle verwickelten Fahrzeugen waren 20 mit Duftbäumchen ausgestattet.

Der Gebrauch von Wattestäbchen für die Ohren führt zu Hornhaut an den Füßen. Von 100 Personen mit Hornhaut am dicken Zeh nutzten 95% diese Methode zum Ohrenreinigen.

Bild (ohne Schrift): CC0 1.0/pixabay.com 

Montag, 16. Mai 2016

Endometriose und Migräne



Eine neue Baustelle ist eröffnet: Die Eröffnungsfeier findet in drei Tagen beim Neurologen statt. Ich bin schon gespannt, was ich gewonnen habe. Der HNO tippt ja auf Migräne. Meine Stirnhöhlen seien auf jeden Fall frei, wie eine reizende Schwarz-Weiß-Aufnahme meines Schädels gezeigt hat.

Nur in deinem Kopf


Zugegeben: Ich habe es den Ärzten in den letzten Jahren auch nicht gerade leicht gemacht. Da komm ich daher und rede von Schwindel, Sehstörungen, Empfindungsstörungen und Wortfindungsstörungen, vor allem kurz vor der Periode – und das ganz ohne Kopfschmerzen. Da kann man einen auch schon mal für verrückt erklären. Völlig legitim. Ich meine, Antidepressiva lösen ja auch Probleme: Gib der Alten was, was sie benommen macht, und sie benimmt sich …

Es war das Buch von Hilary Mantel, was mich auf den Trichter gebracht hat. Sie litt nämlich schon immer an Migräne ohne Kopfschmerz, nur mit Aura. Es hat Jahre gedauert, bis man das herausfand. Jahre, in denen sie wegen der Symptomatik unter anderem auch in die Psychiatrie gesteckt und mit starken Psychopharmaka vollgepumpt wurde, bis sie nicht mehr konnte.

Hormone, die fallen




Als ich das las, beschlich mich eine Ahnung. Ich erinnerte mich an eine Szene, etwa vor 6 Jahren, als ein Arzt zu mir sagte: „Mit dem Schwindel müssen sie halt leben“ und es als reine Nervensache abtat. Einen ersten Hinweis erhielt ich dann durch ein Video einer Frau, die von ihren Nebenwirkungen unter der Hormonspirale berichtete. Sie schilderte dieselben Phänomene: „Ich ging wie auf einem Schiff, alles schwankte. Teilweise war ich wie gefangen in meinem Körper “.

Das ist das eigentliche Rätsel bei der Sache: Warum wurden die Symptome auch bei mir unter dem Gestagen schlimmer? Die meisten Experten sagen, es sei das Östrogen, was man meiden sollte. Einen Hinweis habe ich gefunden, in dem auf beide Hormone hingewiesen wird:
Ursächlich scheint der natürliche prämenstruelle Abfall der Serum-Östrogen- und Serum-Gestagen-Spiegel als Trigger zu fungieren (2.).

Zusammenhang zwischen Endometriose und Migräne




Tja, da steht man wieder und niemand kann es einem wirklich erklären. Denn letztendlich sind auch die Ursachen der Migräne ebenso wie bei der Endometriose ungeklärt. Nur eines weiß man mittlerweile: Zwischen Endometriose und Migräne besteht ein Zusammenhang. 2004 fand man in einer Studie heraus, dass Frauen mit Endometriose ein doppelt so hohes Risiko für eine Migräne haben wie Frauen ohne Endo (1.). Man vermutet, dass ein genetischer Faktor Schuld sein könnte, der für die Regulierung von Stickstoffoxid zuständig ist. Dieses wirkt auf die Blutgefäße, dass es zu Entzündungen kommt und diese sich weiten. Stickstoffoxid wird auch in endometriotischen Läsionen produziert.

Ich will ja mal nicht so sein. Auch ich werde mit dem Alter netter und mache es den Ärzten nicht mehr so schwer. Ich hab einfach über die letzten Monate die Kopfschmerzen dazu entwickelt. Immerhin gab es dafür schon das erste Fleißkärtchen: Die Überweisung zum Neurologen in drei Tagen.

Dieser Artikel ersetzt nicht den Rat durch einen Arzt!



Quellen:
1. Deutsche Apotherker-Zeitung: Endometriose und Migräne hängen zusammen. www.deutsche-apotheker-zeitung.de. 07.11.2004. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2004/daz-46-2004/uid-12927 (zuletzt aufgerufen: 15. Mai 2016).


2. Frauenheilkunde: Gutartige Erkrankungen – Migräne. http://www.dr-nabielek.de/frauenheilkunde/gutartige-erkrankungen/migräne/ (zuletzt aufgerufen: 15. Mai 2016).


Bilder: CC0 1.0/pixabay.com